Kanaren Kreuzfahrt 2026
Reiseberichte
Sonntag der 15.03.2026 Anreisetag
Tag 1: Koffer packen und weg
Während die meisten Menschen diesen Morgen vermutlich ruhig bei einem Kaffee begannen, markierte er für uns den lang ersehnten Startschuss für unsere Kreuzfahrt mit der AIDAluna.
Die Route: Einmal rund um die Kanaren mit einem Abstecher nach Agadir/Marokko.
Die Route: Einmal rund um die Kanaren mit einem Abstecher nach Agadir/Marokko.
Schon beim Packen der Koffer wurde es real. Ein kleiner, aber entscheidender Handgriff ist dabei fast schon ein Ritual: Das Befestigen der AIDA-Kofferanhänger. Schwarz auf weiß stand dort unser Zuhause für die nächsten sieben Tage: Kabine 8312. Den Koffer zu schließen und das metallische Klicken der Schlösser zu hören, war der Moment, in dem der Alltagsstress endgültig draußen blieb.
(Handyfoto)
Frankfurt FRAport: Pulsierendes Drehkreuz in den Süden
Der Frankfurter Flughafen empfing uns mit seiner typischen, geschäftigen Atmosphäre. Es ist immer wieder ein Erlebnis, in der riesigen Abflughalle zu stehen und den Blick über die blauen Anzeigetafeln schweifen zu lassen. Namen wie Göteborg, Marseille oder Dubai flackerten auf, doch unser Fokus lag ganz klar auf der Verbindung in den Süden. Unser Flug mit der TUI war pünktlich gelistet. Das Terminal mit seiner kühlen Architektur, dem glänzenden Boden und den unzähligen Reisenden bot die perfekte Kulisse, um sich auf den Urlaub einzustimmen. Wir ließen uns Zeit beim Gang durch die Sicherheitskontrollen und genossen das Gefühl, dass ab jetzt jede Minute nur noch uns gehörte.
Der Weg zu unserem Gate D23/D24 führte uns durch die modernen, hellen Flure des Terminals. Besonders die Lichtinstallation an der Decke – stilisierte Flugzeug-Silhouetten, die über den Köpfen der Passagiere zu schweben scheinen – ist ein tolles architektonisches Detail, das die Vorfreude auf das Fliegen noch einmal steigert.
Boarding auf dem Vorfeld: Technik zum Anfassen
Ein besonderes Highlight war das Boarding. Statt durch einen der üblichen Passagierfinger ging es für uns mit dem Bus hinaus auf das Vorfeld. Für Flugzeug-Fans gibt es kaum etwas Besseres, als direkt auf dem Asphalt zu stehen, während man von der schieren Größe der Maschinen umgeben ist.
Da stand sie: Unsere TUI Boeing 737-MAX 8. Aus dieser Perspektive wirken die Triebwerke mit dem markanten "TUI.COM"-Schriftzug erst richtig gewaltig. Der Wind, der über das Rollfeld wehte, mischte sich mit dem typischen Geruch von Kerosin – für uns der ultimative Duft des Aufbruchs. Das ikonische rote Lächeln auf dem Leitwerk schien uns direkt zuzuzwinkern, bevor wir die Treppen zum Flugzeug erklommen.
(Handyfotos)
Über den Wolken: XL-Komfort und das erste Urlaubs-Prost
Ein viereinhalbstündiger Flug kann lang werden, deshalb hatten wir strategisch vorgesorgt und die XL-Sitze am Notausgang reserviert. Die zusätzliche Beinfreiheit ist bei dieser Flugdauer kein Luxus, sondern ein echter Segen – man kann sich entspannt zurücklehnen und die Reise genießen. Ein kurzer Blick in die Safety Card der Boeing 737-8 gehörte natürlich dazu, bevor wir uns ganz dem Panorama widmeten.
Kurz nach dem Start, als die Maschine ihre Reisehöhe erreichte, gab es den ersten richtigen Feierabend-Moment: Das erste eiskalte Bier über den Wolken. Wir stießen mit zwei Dosen Warsteiner auf die kommende Woche an – ein kleines Ritual, das für uns den offiziellen Beginn der Auszeit markiert.
Der Blick aus dem Fenster war an diesem Tag einfach spektakulär. Zuerst überflogen wir ein endloses weißes Wolkenmeer, aus dem ab und zu die schroffen, verschneiten Gipfel der Berge hervorlugten. Später riss der Himmel auf und gab den Blick frei auf den tiefblauen, schier unendlichen Atlantik. Das hellblaue Winglet mit dem TUI-Logo im strahlenden Sonnenlicht war dabei das perfekte Motiv für die ersten Urlaubsaufnahmen.
Landung auf Gran Canaria: Willkommen im ewigen Frühling
Nach einem ruhigen Flug setzte unsere Maschine (Kennung D-AMAZ) sicher am Aeropuerto de Gran Canaria (LPA) auf. Schon beim Verlassen des Fliegers über die Gangway schlug uns diese herrliche, warme Inselbrise entgegen. Der Kontrast zum grauen Wetter in Deutschland hätte nicht größer sein können: Palmen, ein tiefblauer Himmel und angenehme Temperaturen empfangen uns direkt auf dem Rollfeld. Nachdem wir unsere Koffer abgeholt und den Zoll passiert hatten, lief alles wie am Schnürchen. Die Organisation von AIDA ist hier wirklich klasse – der Transfer-Bus wartete bereits auf uns.
(Handyfotos)
Die Fahrt zum Hafen: Giganten an der Pier
Die Busfahrt vom Flughafen zum Hafen von Las Palmas dauerte etwa 30 Minuten und war im Grunde unsere erste kleine Sightseeing-Tour. Die Landschaft von Gran Canaria mit ihren Bergen und der vulkanischen Prägung zog an uns vorbei, bis schließlich die Kräne und Silhouetten des Hafens am Horizont auftauchten.
Sobald wir das Hafengelände erreichten, wurde es richtig beeindruckend. Riesige Kreuzfahrtschiffe lagen wie schwimmende Paläste an den Piers aufgereiht. Wir passierten unter anderem die brandneue „Mein Schiff Relax“, deren dunkelblauer Rumpf und modernes Design in der Mittagssonne glänzten.
Check-in im Terminal: Die Eintrittskarte in die Freiheit
Endstation: Muelle de Cruceros. Als der Bus direkt vor dem modernen Cruise Terminal hielt, begann der wohl entspannteste Teil der Logistik. Noch bevor wir das Gebäude überhaupt betraten, wurden wir auch schon von unseren Koffern „befreit“. Fleißige Helfer nahmen das schwere Gepäck entgegen – wir wussten, dass wir uns um nichts mehr kümmern mussten. Die Koffer würden später wie von Zauberhand direkt vor unserer Koje auf Deck 8 stehen.
Mit leichtem Handgepäck und großer Vorfreude betraten wir das Terminal. Eine Rolltreppe führte uns ein Stockwerk höher, wo uns die moderne, lichtdurchflutete Check-in-Halle erwartete. Wir hatten Glück: Es gab absolut keine Warteschlange. Wir wurden sofort von einer sehr netten Dame an einem der Schalter empfangen.
Es folgte ein kurzer, unkomplizierter Prozess: Die Ausweise wurden geprüft, ein schnelles Foto für das Bordkonto gemacht, und binnen Sekunden wurden die Bordkarten für uns erstellt. Dieser Moment ist immer wieder besonders, denn erst mit der physischen Karte in der Hand ist man offiziell „eingecheckt“. Sie ist in den nächsten Tagen alles in einem: Zimmerschlüssel, Zahlungsmittel und Ausweis.
(Handyfotos)
Endstation: Ankunft im eigenen Reich
Stolz und strahlend weiß mit ihrem markanten Kussmund wartete die AIDAluna nun an der Pier auf uns. Der kurze Weg über die Gangway, das erste vertraute Piepen beim Scannen der Bordkarten am Schiffseingang – und wir waren endlich zu Hause.
Unser erster Weg führte uns natürlich direkt auf Deck 8 zu unserer Kabine 8312. Es ist ein spannender Moment, wenn man zum ersten Mal durch die langen, scheinbar endlosen Kabinengänge läuft. Die rote Tür unserer Kabine markierte den Eingang zu unserem persönlichen Rückzugsort. Die Innenkabine machte einen super Eindruck – kompakt, funktional und vor allem: absolut ruhig. Genau das, was wir für einen erholsamen Schlaf brauchten.
Decks-Erkundung und das erste Bord-Gefühl
Nachdem wir unser Handgepäck verstaut und die Kabine kurz in Augenschein genommen hatten, hielt uns nichts mehr drinnen. Wir gönnten uns erst einmal einen ausgiebigen Rundgang über die Decks, um das Schiff kennenzulernen. Die Architektur im Inneren, insbesondere die weitläufigen Treppenhäuser, ist beeindruckend und verbindet die verschiedenen Erlebniswelten des Schiffs auf elegante Weise.
Es war bereits 14:30 Uhr, als wir an Bord kamen, und die Sonne über Gran Canaria meinte es gut mit uns. Das Treiben am Pooldeck, der Blick über die Reling auf den Hafen und die entspannte Atmosphäre waren sofort ansteckend. Von oben wirkten die anderen Schiffe im Hafen und das moderne Terminal fast wie Spielzeugmodelle.
(Handyfotos)
Das offizielle Anstoßen: Bier-Genuss an der Pool Bar
Was wäre eine Ankunft auf dem Schiff ohne das erste offizielle Kaltgetränk unter freiem Himmel? Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, führte uns unser Weg direkt zur Pool Bar. Hier zahlte sich unser Comfort Deluxe Paket zum ersten Mal so richtig aus: Kein Hantieren mit Bargeld, kein Abwiegen der Kosten – einfach die Bordkarte zücken und den Moment genießen.
An der weißen Marmortheke der Bar ließen wir uns nieder. Die Wahl fiel auf zwei Klassiker: Ein herbes, goldgelbes Radeberger Pilsner im schlanken Glas und ein naturtrübes, spritziges Schöfferhofer Weizen. Die Gläser waren herrlich beschlagen von der Kälte der Getränke, was in der warmen Nachmittagssonne von Las Palmas für die perfekte Erfrischung sorgte.
Dieses erste „Prost“ an Bord ist weit mehr als nur ein Schluck Bier. Es ist das akustische und geschmackliche Signal für den Kopf, dass die Operation „Alltagsflucht“ erfolgreich gestartet ist. Während bunte Signalflaggen im Wind flatterten und die Kräne des Industriehafens in der Ferne wie stille Riesen arbeiteten, spürten wir die erste echte Welle der Freiheit. Der herbe Geschmack des Hopfens und die prickelnde Frische des Weizens markierten den endgültigen Sieg über die Terminkalender und E-Mail-Postfächer der letzten Wochen.
Warten auf das Sicherheits-Protokoll
Ein wichtiger Punkt stand allerdings noch aus: Die Seenotrettungsübung (SNRÜ). Da die Übung an diesem Tag erst ab 16:00 Uhr absolviert werden konnte, hatten wir noch eine gute Stunde Zeit, um die AIDAluna weiter zu erkunden und die ersten Eindrücke bei unseren Drinks sacken zu lassen. Diese entspannte Wartezeit an der Pool Bar war perfekt, um den Anreisetag ganz ohne Hektik ausklingen zu lassen, während wir beobachteten, wie sich das Schiff langsam für das große Auslaufen am Abend bereit machte.
Gefühl: Der Urlaub ist da. Die Kabine ist bezogen, das Schiff erkundet und das erste Bier an der Pool Bar schmeckt nach Freiheit. Jetzt kann die Reise richtig losgehen! Leinen los um 21:00 Uhr!
(Handyfotos)
KLICK auf das erste Bild und geniesse das Schiff...
Der erste fotografische Streifzug: Perspektiven im Hafen
Bevor die offizielle Sicherheitseinweisung begann, hielt uns die Neugier nicht länger auf den Barhockern. Mit der Canon R6 II im Anschlag machten wir uns auf einen ersten, ausgiebigen fotografischen Rundgang über die oberen Decks. Das Licht am späten Nachmittag war einfach phänomenal – die Sonne stand bereits etwas tiefer und tauchte das gesamte Schiff sowie das Hafenbecken in ein warmes, fast goldenes Licht, das die Kontraste wunderbar hervorhob. Besonders faszinierend war das Spiel mit den Geometrien des Schiffes. Das Pooldeck mit seinen charakteristischen, futuristischen Sonnenschirmen über den Whirlpools bot fantastische Motive. Patrik nutzte die Gelegenheit für einen ersten Schnappschuss direkt am Wasser – ein „Daumen hoch“ für diesen gelungenen Start. Die strahlend weißen, geschwungenen Strukturen des Decks bildeten einen perfekten Rahmen für die leuchtend blauen Poolbereiche. Ein absoluter Blickfang war die riesige LED-Leinwand über dem Pooldeck, die bereits das aktuelle Tagesprogramm anzeigte. Von den Highlights des Nachmittags bis hin zum großen Auslaufen war alles akribisch gelistet. Es ist diese Mischung aus High-Tech-Entertainment und klassischem maritimen Flair, das die AIDAluna so besonders macht. Wir dokumentierten auch die markanten Branding-Details des Schiffes: Der bunte, großformatige AIDA-Schriftzug an den Aufbauten leuchtete unter dem tiefblauen Himmel in fast schon unwirklichen Primärfarben.
Von der Reling aus boten sich spektakuläre Weitwinkel-Perspektiven auf den Hafen von Las Palmas. Besonders beeindruckend war der direkte Vergleich der Größenverhältnisse: Direkt unter uns lag das moderne Cruise Terminal mit seinen Solarpaneelen, während ein Dock weiter die gewaltige Silhouette der „Mein Schiff Relax“ den Horizont dominierte. Ein roter Rettungsring mit dem Schriftzug „AIDAluna GENOVA“ im Vordergrund gab den Bildern die nötige maritime Rahmung und erinnerte uns daran, dass wir uns nun auf einem Schiff unter italienischer Flagge befanden. Der Rundgang führte uns bis ganz nach vorne an den Bug und weit nach hinten zum Heck, wo bunte Signalflaggen im Wind tanzten. In der Ferne ragten die massiven Verladekräne des Containerhafens wie stählerne Dinosaurier in den Himmel – ein künstlicher, industrieller Kontrast zur eleganten Welt der Kreuzfahrt. Wir saugten diese ersten visuellen Eindrücke förmlich auf; jede Ecke des Schiffs schien nur darauf zu warten, durch das Objektiv der R6 II verewigt zu werden.
Rundgang durch das Schiffsinnere: Design und Wellness-Welten
Doch nicht nur die Außendecks lockten uns. Wir tauchten auch tief in den „Bauch“ der AIDAluna ein, um die architektonischen Highlights im Inneren zu dokumentieren. Besonders beeindruckt hat uns der Bereich des Body & Soul Organic Spa. Schon beim Betreten des Ganges fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Die warmen, kräftigen Orange- und Ockertöne der Wände strahlen eine wohlige Gemütlichkeit aus. Der Weg führt durch elegant geschwungene, orientalisch anmutende Torbögen, die von kunstvoll gestalteten Säulen gestützt werden. Jede dieser Säulen ist mit unzähligen kleinen, irisierenden Mosaiksteinen besetzt, die das Licht in allen Farben des Regenbogens reflektieren.
Architektonische Entdeckungen: Treppenhäuser und Barkultur
Auf unserem Weg durch die verschiedenen Decks fielen uns immer wieder die spektakulären Treppenhäuser ins Auge. Die Architektur der Sphinx-Klasse ist hier besonders gut sichtbar: Die Treppen winden sich in warmen Holztönen über mehrere Etagen, flankiert von Palmen, die mitten im Schiff für Urlaubsflair sorgen. Ein besonderes fotografisches Highlight war der Blick hinunter in die Kunstgalerie. Von der geschwungenen Treppe aus, deren Geländer mit einem markanten Kreismuster verziert ist, eröffnet sich ein Blick auf eine Welt voller Farben und Kreativität. Die ausgestellten Werke bilden einen spannenden Kontrast zur sonst so funktionalen Schiffsarchitektur.
Lichtspiele und blaue Wunder
Kurz vor dem Übergang in die Partybereiche stießen wir auf ein fast schon futuristisches Designelement: Ein kreisförmiges Portal, das mit intensivem lila Licht inszeniert wurde. Es wirkt wie ein Tor in eine andere Dimension. Noch beeindruckender war jedoch der Zugang zum Ocean Club. Hier wandelt man durch einen Tunnel aus konzentrischen Lichtringen, die in tiefem Blau erstrahlen. Der hochglänzende Boden reflektiert das Licht und erzeugt eine fast surreale Tiefenwirkung – ein Paradies für jeden Fotografen, der mit Lichtstimmungen spielt. Es fühlte sich an wie ein High-Tech-Transit in eine andere Welt.
Kulinarik und maritime Weite
Ein weiteres Highlight im Schiffsinneren ist die Vinothek. Die Bar besticht durch ihr elegantes Design mit einer kräftig roten Decke und einer kunstvoll gestalteten Rückwand aus goldenen Ornamenten. Die warme Beleuchtung und die edlen Holzoberflächen schaffen eine exklusive Wohlfühlatmosphäre. Hier wurden wir bereits von einem lächelnden Barkeeper empfangen, der mit Stolz sein Reich präsentierte. Besonders fasziniert hat uns die AIDA Bar. Mit ihrem charakteristischen blauen Mosaik am Tresen und der geschwungenen Metallstruktur über der Bar ist sie ein echter Blickfang. Wenn man hier an der Reling steht, wird einem die Verbindung zum Meer erst richtig bewusst: Die riesigen, geneigten Fensterfronten des Theatriums bieten einen ungehinderten Blick auf den Hafen und das offene Wasser. Die warme Holzoberfläche der Brüstung im Vordergrund bildet dabei einen perfekten Rahmen für das maritime Panorama, während draußen langsam die Dämmerung einsetzt.
Lounges und Treffpunkte: Ankommen im Stil
Unsere Erkundungstour führte uns auch vorbei an der Fotowelt und den angrenzenden Lounge-Bereichen. Die Gestaltung ist hier besonders einladend: Bequeme Sessel in Blau- und Orangetönen, gemusterte Teppiche und warme Holzverkleidungen an den Wänden schaffen Orte, an denen man gerne verweilt. Hier kann man am Abend perfekt die Fotos des Tages sichten.
Sogar die Aufzugsbereiche sind ein visuelles Erlebnis. Auf Deck 10 empfing uns eine fast schon psychedelisch anmutende Decken- und Wandgestaltung in Lila-Mustern, die perfekt mit dem warmen Orange der Teppiche harmoniert. Es ist diese Liebe zum Detail in jedem Winkel, die das Schiffserlebnis so besonders macht. Zum Abschluss unseres Rundgangs faszinierten uns die scheinbar unendlichen Flure der AIDAluna. Die perfekt ausgeleuchteten Gänge mit ihren charakteristischen roten Türen bieten eine Fluchtpunkt-Perspektive, die die schiere Länge des Schiffs betont. Ob aus tiefer Perspektive oder im weiten Überblick – diese Gänge haben ihren ganz eigenen, symmetrischen Reiz.
Leinen los: Abschied von Las Palmas bei Nacht
Gegen 21:00 Uhr erreichte die Spannung an Bord ihren Höhepunkt. Draußen war es längst dunkel geworden, und Las Palmas verwandelte sich in ein glitzerndes Lichtermeer. Wir bezogen Position an der Reling, um den Moment des Aufbruchs festzuhalten. Das Deck war gut gefüllt mit erwartungsvollen Passagieren, die alle den Moment herbeisehnten, an dem sich das Schiff endlich in Bewegung setzen würde. Über uns leuchtete der großformatige AIDA-Schriftzug in den vertrauten Farben, jetzt effektvoll von Scheinwerfern angestrahlt – ein starkes grafisches Motiv gegen das Schwarz der Nacht. Ein absoluter Blickfang in der nächtlichen Kulisse war das Aquarium „Poema del Mar“. Die Fassade war mit riesigen, violett leuchtenden Fisch- und Hai-Silhouetten inszeniert, die fast so wirkten, als würden sie durch die Nacht schwimmen. Es war ein faszinierendes Spiel aus Licht und Farbe, das den Abschied von Gran Canaria visuell perfekt abrundete. In der Ferne spiegelten sich die Lichter der Stadt im tiefschwarzen Hafenbecken. Dann ertönte das Kommando: „Leinen los!“. Von unserem Logenplatz oben blickten wir steil nach unten auf das Geschehen an der Pier. Ein letzter Blick auf das moderne Cruise Terminal und unsere „Nachbarin“, die Mein Schiff Relax, die noch fest vertäut an der Kaimauer lag, während wir uns langsam entfernten. Die Distanz zur Pier vergrößerte sich Zentimeter um Zentimeter, und das Terminal schrumpfte in der Ferne zu einem kleinen, beleuchteten Punkt.
Wir glitten langsam an anderen Schiffen im Hafen vorbei. Überall herrschte emsige Betriebsamkeit unter dem grellen Licht der Hafenstrahler. Besonders beeindruckend wirkten die massiven Industrieschiffe, wie der Frachter Star Antwerp, die im Scheinwerferlicht fast wie Kulissen aus einem Film wirkten. Das Wasser glitzerte in Gold- und Silbertönen, während die Skyline von Las Palmas langsam am Horizont verblasste. Ein besonderes technisches Schauspiel bot das Lotsenboot (Pilot). Die wendige, leuchtend rote Barke – die Practicos Las Palmas – begleitete uns ein Stück weit aus dem Hafenbecken heraus. Von oben wirkte das Boot wie ein kleines, leuchtendes Spielzeug vor der massiven Bordwand der Luna, fokussiert im Scheinwerferkegel.
In dem Moment, als wir das Hafenbecken endgültig verließen, vibrierte das gesamte Schiff. Das tiefe, markerschütternde Grollen des Typhon zerriss die Nacht – drei lange Töne, die Gänsehaut garantierten. Die ersten Takte von „Orinoco Flow“ setzten ein, und während wir Kurs auf den offenen Atlantik nahmen, wussten wir: Jetzt beginnt die wahre Reise.
Die Stille der Nacht: Letzte Impressionen an Deck
Bevor wir uns nun wieder in den Schiffsbauch begaben, habe ich noch ein paar Nachtbilder oben an Bord vom Schiff geschossen. Die Atmosphäre zu dieser späten Stunde ist einmalig: Der Fahrtwind ist kühler, das Schiff gleitet fast lautlos durch die Dunkelheit und die Decksbeleuchtung zaubert grafische Muster auf den Boden. Ein besonderer Spot war der beleuchtete "Helipad" am Heck. Die gelbe Sonnen-Grafik auf dem runden Sonnenschirm leuchtete unter den Strahlern intensiv auf und bildete einen scharfen Kontrast zum schwarzen Wasser unter uns. In der Ferne passierten wir den beleuchteten Containerterminal, dessen Kräne wie futuristische Denkmäler in den Nachthimmel ragten. Von der Reling aus warfen wir einen letzten Blick zurück auf die Küstenlinie von Gran Canaria. Las Palmas war nur noch ein schmales, funkelndes Band aus Lichtern am Horizont, das langsam in der Weite des Ozeans versank. Es war dieser Moment der totalen Ruhe an Deck, in dem man realisiert, dass man nun wirklich „draußen“ auf dem Atlantik ist. Die Architektur der AIDAluna wirkte in diesem künstlichen Licht fast schon unwirklich. Die leeren, perfekt ausgeleuchteten Promenaden mit ihren runden Bodenleuchten luden dazu ein, die Symmetrie und das Design des Schiffes noch einmal ganz ohne Menschenmassen festzuhalten. Jedes Detail, von den warmen Holztönen der Reling bis hin zur kühlen weißen Struktur der Aufbauten, kam im Scheinwerferlicht erst richtig zur Geltung. Danach sind wir ins Atrium zur Show gegangen, um den ersten Abend an Bord mit erstklassigem Entertainment ausklingen zu lassen. Während die Künstler auf der Bühne ihr Bestes gaben, pflügte die Luna unbeirrt durch die Wellen, Kurs Lanzarote.
Showtime im Theatrium: Entertainment der Extraklasse
Vom kühlen Nachtwind an Deck zog es uns schließlich wieder zurück ins lebendige Herz des Schiffes. Im Theatrium hatte die Abendshow bereits begonnen und wir tauchten ein in eine Welt aus Licht, Musik und purer Energie. Das architektonische Konzept des Theatriums über drei Ebenen bietet von überall eine tolle Sicht, doch wir suchten uns einen strategisch günstigen Platz in einer der Lounges, um das Geschehen auf der Bühne festzuhalten. Die Bühne war in intensives, pinkfarbenes und violettes Licht getaucht, als das AIDA-Show-Ensemble die Szene übernahm. Die Kostüme glitzerten unter den Scheinwerfern, während die Künstler mit einer dynamischen Tanz-Performance den Raum füllten. Die Energie war im gesamten Zuschauerraum greifbar – ein mitreißender Mix aus modernen Rhythmen und klassischem Varieté-Flair. Ein absoluter Höhepunkt war die Akrobatik-Einlage. Eine Künstlerin zeigte eine atemberaubende Performance an den Vertikaltüchern, hoch über den Köpfen der Zuschauer. Zuerst in dramatisches rotes Licht gehüllt, wirkten die Figuren fast mystisch und zeigten eine unglaubliche Körperbeherrschung. Später wechselte die Stimmung in ein strahlendes Goldweiß, was die Eleganz und Leichtigkeit der Bewegungen unterstrich. Für Wolfgang war dies der perfekte Test für den schnellen Autofokus der R6 II – die scharfen Linien des Körpers gegen den farbigen Hintergrund ergaben fantastische Aufnahmen. Kurz darauf vereinte sich das gesamte Ensemble zum großen Finale. In ihren schimmernden, hellen Kostümen füllten sie die Bühne mit einer unglaublichen Präsenz. Die Choreografien waren perfekt auf die rhythmischen Klänge abgestimmt, und die Lichteffekte tanzten förmlich mit den Künstlern. Es war die ideale Mischung aus Glamour und moderner Show-Action. Zum Abschluss verneigten sich die Künstler unter dem donnernden Applaus des Publikums. Die LED-Wände im Hintergrund zeigten funkelnde Grafiken, die die festliche Stimmung perfekt abrundeten. Es war der ideale emotionale Abschluss für unseren ersten Tag – ein Tag, der mit dem Kofferpacken in Frankfurt begann und nun mit stehenden Ovationen auf dem Atlantik endete. Mit diesen farbenfrohen Bildern und dem Rhythmus der Show im Kopf begaben wir uns schließlich zurück in unseren „Bunker“ auf Deck 8. Die Luna pflügte währenddessen unbeirrt durch die Dunkelheit des Atlantiks, Kurs Lanzarote.
Montag der 16.03.2026
Tag 2: Land in Sicht – Ankunft in Arrecife
Montagmorgen auf Lanzarote. Der erste Blick über die Reling nach dem Aufstehen ist immer ein besonderer Moment der Reise. Die Luft ist noch frisch, und der Himmel zeigt sich in einem sanften Grau, das die dramatische Vulkanlandschaft der Insel perfekt untermalt. Während wir uns langsam dem Hafen von Arrecife näherten, begannen die Vorbereitungen für das Anlegemanöver. An Bord der AIDAluna gibt es einen Ort, der uns als Technik-Begeisterte besonders fasziniert: Die Plakette zur Kiellegung und Fertigstellung des Schiffes. „Kiellegungsmünzen AIDAluna – 29. März 2008“ und der Stolz der Meyer Werft Papenburg aus dem Jahr 2009. Es ist beeindruckend, sich vorzustellen, dass wir uns auf einem über 15 Jahre alten Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst befinden, das auch heute noch mit zeitloser Eleganz über die Meere gleitet. Das Manöver im Hafenbecken von Arrecife wurde wieder von einem Lotsenboot unterstützt. Die leuchtend orangefarbene „Pilots“-Barke tanzte auf den Wellen direkt neben unserer massiven Bordwand. Von oben konnten wir den Lotsen beobachten, wie er mit geübten Griffen das kleine Boot steuerte – ein faszinierendes Zusammenspiel von Präzision und maritimer Erfahrung. Arrecife empfing uns mit einer industriellen Hafenkulisse, die von massiven Kränen und Frachtschiffen geprägt war. Direkt an den Kaimauern lagen Schiffe wie die „WEC Van Gogh“ und die blaue „Fred. Olsen Cargo Express“. Die karge, hügelige Landschaft Lanzarotes mit ihren charakteristischen Vulkankegeln im Hintergrund bildete einen fast schon surrealen Rahmen für das geschäftige Treiben im Hafen. Nachdem die Taue fest vertäut waren und das Schiff freigegeben wurde, stand unsere nächste Mission fest: Die Erkundung der Feuerinsel. Die Jeeps warteten bereits und der Vulkansand von Lanzarote rief nach uns.
Gefühl: Das Schiff ist unsere sichere Basis, aber die Neugier auf die karge Schönheit Lanzarotes ist riesig. Akkus geladen, Schuhe geschnürt – das Abenteuer geht weiter!
Staubige Pisten und architektonische Träume: Die Jeep-Tour
Nachdem die Taue fest vertäut waren, startete unser operatives Highlight auf Lanzarote: Ein Landausflug mit geschlossenen 4x4 Fahrzeugen. Unsere Mission war es, die karge, fast schon außerirdische Schönheit der Insel jenseits der Touristenpfade zu infiltrieren. Die robusten Geländewagen waren genau das richtige Werkzeug für die staubigen Pisten Lanzarotes.
Schon auf dem Weg ins Landesinneren begegneten wir dem Erbe von César Manrique. Inmitten eines Kreisverkehrs ragte eine gewaltige, silberne Windskulptur in den bewölkten Himmel. Das filigrane Zusammenspiel aus Metallkugeln und Ringen, die sich lautlos im stetigen Passatwind drehten, war ein faszinierendes Fotomotiv für die Weitwinkel-Optik unserer R6 II. Ein Symbol für die Symbiose aus Technik und Natur, die diese Insel so einzigartig macht. Die Fahrt führte uns durch karge Landschaften, in denen schneeweiße Häuser wie helle Tupfen auf der dunklen Vulkanerde leuchteten. Von erhöhten Aussichtspunkten aus dokumentierten wir das Panorama: Sanfte Vulkankegel am Horizont, karge Felder und im Vordergrund moderne Villen mit leuchtend blauen Pools – ein architektonischer Kontrast, der die forensische Präzision unserer Sensoren forderte. Ein absoluter Höhepunkt der Infiltration war der Besuch von Lagomar. Dieses legendäre Anwesen, das einst von César Manrique entworfen und angeblich von Schauspieler Omar Sharif bei einem Bridge-Spiel verloren wurde, ist direkt in die Flanken eines alten Steinbruchs gebaut. Die organischen Formen der weißen Mauern verschmelzen nahtlos mit dem rötlichen Lavagestein. Es fühlte sich an wie ein Besuch in einem Bond-Bösewicht-Versteck – ein Labyrinth aus Höhlen, Tunneln und üppigen Palmen, das architektonisch in einer ganz eigenen Liga spielt. Jedes Foto hier war ein Beweis für die Kraft der menschlichen Kreativität inmitten einer lebensfeindlichen Natur.
Zeitlose Architektur und forensische Details: Ein 30min Foto-Stopp in Teguise
Nach der Infiltration von Lagomar setzte unsere Kolonne die Fahrt fort. Nächstes Ziel: Das historische Teguise, die ehemalige Hauptstadt der Insel. Wir hatten ein enges Zeitfenster von nur 30 Minuten – eine taktische Herausforderung für jeden Fotografen, aber genug Zeit, um die Essenz dieses geschichtsträchtigen Ortes zu sichern. Teguise empfing uns mit einer fast schon meditativen Ruhe und einer architektonischen Reinheit, die in jedem Pixel unserer Aufnahmen spürbar wurde.Schon am Ortsrand fiel unser Blick auf eine klassische Windmühle (Molino), deren hölzerne Flügel majestätisch gegen den wolkenverhangenen Himmel ragten. Sie ist ein stummer Zeuge der landwirtschaftlichen Vergangenheit Lanzarotes und ein perfektes Motiv, um die Harmonie zwischen traditioneller Technik und der rauen Natur festzuhalten. Besonders die Details der Holzkonstruktion und die Einbettung in die schwarze Vulkanerde boten spannende Kontraste, die wir durch das dichte Blattwerk der Palmen hindurch dramatisch inszenierten. Wir näherten uns dem Herzen des Ortes durch einen rustikalen Rundbogen aus braunem Vulkangestein. Dieser steinerne Torbogen gewährte uns einen ersten Blick auf die Plaza de la Constitución und diente gleichzeitig als natürlicher Rahmen für das Treiben auf dem Platz. Ein kleines Schild an einer der strahlend weißen Wände wies stolz darauf hin, dass Teguise zu den „Pueblos más bonitos de España“ zählt – eine Auszeichnung, die wir angesichts der symmetrischen Ästhetik sofort bestätigen konnten. Die Plaza de la Constitución selbst ist ein Musterbeispiel für die Gestaltungskraft Lanzarotes. Ein schlichtes, aber wirkungsvolles Schild mit der Aufschrift „PLAZA DE LA CONSTITUCION“ zierte eine der weißen Mauern, direkt neben einer dunklen Holztür und einer einladenden Bank. Diese Reduktion auf das Wesentliche – Weiß, Braun und das raue Schwarz des Lavagesteins an den Gebäudeecken – zieht sich durch das gesamte Dorf. Ein besonderer Blickfang an der Plaza war die bronzene Löwenstatue, die auf einem schlichten weißen Sockel thronte. Das Maul zum Brüllen geöffnet, bildete die dunkle Patina des Metalls einen scharfen Kontrast zum hellen Mauerwerk im Hintergrund. Direkt daneben lieferte das Casa-Museo del Timple erstklassige forensische Details: Die dunkle, kunstvoll geschnitzte Holztür und die perfekt ausgerichteten Fensterrahmen hoben sich kontrastreich von der makellos weißen Fassade ab. Ein weiteres kulturelles Zeugnis der Inseltradition entdeckten wir inmitten der kargen Aloe-Vera-Pflanzen: Die bronzene Statue eines Tamborilero (Tamburin-Tänzers). Die gebeugte Haltung des Musikers und die Detailtiefe der Skulptur fingen die lebendige Folklore Lanzarotes perfekt ein – ein stilles, aber kraftvolles Motiv vor der Kulisse der weißen Häuserfronten. Den architektonischen Fixpunkt bildete die Kirche Nuestra Señora de Guadalupe. Der imposante Glockenturm mit seinem dunklen Steinmauerwerk und der markanten Kuppel ragte über die Palmenwipfel hinaus. Besonders faszinierend war ein Detail an der Kirchenwand: Ein Portal aus rötlichem Lavagestein, über dem zwei kreisförmige Fenster wie Augen wirkten – eine fast schon anthropomorphe Fassade, die uns zum Innehalten zwang. Der Kontrast zwischen dem grauen Himmel, dem dunklen Stein und dem strahlenden Weiß der umliegenden Gebäude war fotografisch extrem reizvoll. Selbst moderne Elemente wie der Eingang einer CaixaBank, der in einen massiven, roten Gesteinsrahmen in eine alte Mauer eingelassen war, fügten sich nahtlos in das Bild ein und zeigten, wie Tradition und Moderne hier koexistieren. Die schmalen Gassen mit ihren Kopfsteinpflastern und den leuchtend grünen Türen lieferten uns immer wieder neue Perspektiven. Besonders das Artesanía Lanzarotena, mit seinen geschnitzten Holzfiguren an der Fassade und dem satten Grün der Tür, war ein Beweis für die lebendige Handwerkstradition des Ortes. Auch das Restaurant Acatife mit seinem markanten schwarzen Schriftzug auf weißem Grund fügte sich perfekt in die grafische Ordnung von Teguise ein. Jede Ecke schien wie für den Sucher der R6 II komponiert zu sein. Teguise fühlte sich an wie eine Zeitkapsel. Nach 30 Minuten intensiver Dokumentation war es Zeit für den Rückzug zum Jeep. Die Akkus der Kameras glühten, doch die Speicherkarten waren um einige wertvolle Beweisstücke reicher.
Wilde Wellen und steile Klippen: Das Inferno von Famara
Nach der historischen Ruhe von Teguise schaltete unsere Jeep-Kolonne wieder in den Angriffsmodus. Die Weiterfahrt führte uns an die wilde Nordküste der Insel, direkt an den legendären Surferstrand von Famara. Schon bei der Annäherung veränderte sich die Atmosphäre schlagartig: Die Luft wurde salziger, der Wind kräftiger und die Szenerie dramatischer.
Famara ist kein gewöhnlicher Badestrand; es ist ein Ort der rohen Naturgewalt. Im Hintergrund ragt das enorme Massiv des Risco de Famara fast 600 Meter senkrecht aus dem Atlantik empor – eine gigantische Felswand, die oft von Wolkenfetzen umspielt wird. Die Weitwinkel-Optik der R6 II kam hier voll zum Einsatz, um die gewaltigen Dimensionen zwischen den dunklen Klippen und der weiten, schäumenden Brandung einzufangen. An diesem Tag herrschten klassische „Red Flag“-Bedingungen. An den weißen Lifeguard-Türmen peitschten die roten Flaggen im Wind – ein unmissverständliches Signal für die gefährlichen Unterströmungen. Die kleinen Rettungsstationen mit der Aufschrift „SOS 112“ wirkten fast verloren vor der Kulisse der mächtigen Berge. Doch genau diese Bedingungen lockten die Spezialisten an: Die Surfer. Wie dunkle Punkte tanzten sie auf dem Wasser, wartend auf die perfekte Welle. Wir beobachteten einen Surfer in seinem Neoprenanzug, der sein weiß-rotes Board mit einer fast rituellen Gelassenheit in Richtung der tosenden Gischt trug. Die R6 II fixierte den Fokus mit chirurgischer Präzision auf die Wassertropfen, die vom Board perlten, während im Hintergrund die nächste massive Walze heranrollte. Das Licht war diffus und forderte den Sensor unserer Kameras heraus. In der Ferne, hinter dem Dunst der aufgewirbelten Gischt, zeichneten sich die Umrisse der Nachbarinseln ab – wie ferne Festungen inmitten des graublauen Ozeans.
Geologische Fundstücke am Flutsaum
Während die Wellen gegen die Küste hämmerten, richteten wir unsere Objektive auf den Boden. Lanzarote ist eine Insel der harten Kontraste, und das zeigt sich besonders im Detail. Zwischen dem hellbraunen Sand liegen unzählige, tiefschwarze Lavasteine. Diese Fragmente sind die stummen Zeugen der vulkanischen Geburtsstunde Lanzarotes. Wir sicherten makroskopische Aufnahmen dieser Gesteine. Die poröse, fast schon schwammartige Struktur des schwarzen Basalts bildete einen fantastischen Kontrast zur weichen Textur des feuchten Sandes. Jedes Loch im Stein erzählt von Gasen, die vor Jahrtausenden aus der glühenden Lava entwichen sind. Diese Bilder sind die forensischen Beweisstücke unserer Mission: Die Insel besteht nicht aus Erde, sondern aus erstarrter Energie.
Vulkanismus verstehen: Das Timanfaya Besucherzentrum
Um die gewaltigen Naturereignisse besser einordnen zu können, steuerte unser Team das Centro de Visitantes e Interpretación de Mancha Blanca an. Die Architektur des Zentrums ist bemerkenswert: Flach und farblich perfekt auf das Lavagestein abgestimmt, schmiegt sich das Gebäude in die Landschaft ein. Besonders beeindruckend war die audiovisuelle Simulation eines Ausbruchs – ein Erlebnis, das die Urgewalt der Feuerberge spürbar machte.
Erkundung des Malpaís: Die erstarrte Zeit
Nach dem theoretischen Teil begaben wir uns direkt in das „Malpaís“ – das schlechte Land rund um das Besucherzentrum. Hier zeigt Lanzarote sein wahres Gesicht. Die weiten Lavafelder erstrecken sich bis zum Horizont, eine Wüste aus scharfkantigem Gestein. Im Hintergrund ragen die majestätischen Vulkankegel in den Himmel, deren Flanken in Rot- und Brauntönen schimmern. Wir nutzten die Gelegenheit für intensive Detailaufnahmen der Lava-Formationen. Die Strukturen sind faszinierend komplex: Manche Lavabrocken weisen eine extrem feinporige, fast schaumartige Oberfläche auf, die Zeugnis von den entweichenden Gasen während der Eruption ablegt. Diese Texturen wirken wie abstrakte, moderne Skulpturen. An anderen Stellen haben sich massive Gesteinshaufen aufgetürmt, die teilweise mit hellen Flechten oder gelblichen Ablagerungen überzogen sind. Diese kleinen Farbtupfer bilden einen harten Kontrast zum dunklen, rauen Gestein und zeigen, wie sich das Leben nach und nach seinen Platz in dieser lebensfeindlichen Umgebung zurückerobert. Jedes Foto hier ist eine Momentaufnahme der erstarrten Zeit, in der die rohe Energie der Erde in bizarren Formen festgehalten wurde.
Die Insel im grünen Gewand: Fotografie aus dem fahrenden Jeep
Ein besonderes Privileg dieser Tour war mein Logenplatz: Ich durfte im Jeep ganz vorne sitzen. Das ermöglichte mir eine völlig ungehinderte Sicht auf die vorbeiziehende Landschaft. Bei heruntergelassener Seitenscheibe konnte ich direkt aus dem fahrenden Wagen heraus die majestätischen Vulkane fixieren. Das Auslösegeräusch der Cam und das satte Grollen des Allradantriebs bildeten die akustische Kulisse für eine Fotoserie, die Lanzarote in einem völlig untypischen Licht zeigte. Normalerweise dominiert auf der Insel das harte Schwarz und Braun der Lava, doch wir hatten ein unglaubliches Timing. Da es in den Wochen zuvor ungewöhnlich viel geregnet hatte, war die Natur förmlich explodiert. Die sonst so kargen Flanken der Vulkane waren mit einem zarten, smaragdgrünen Teppich aus frischen Gräsern und Moosen überzogen. Von meinem Platz im „Cockpit“ aus hielt ich das Spiel der Farben fest – das tiefe Anthrazit des Aschebodens gegen das vitale Hellgrün der neuen Vegetation. Jede Kurve der Straße eröffnete neue Perspektiven. Die Dynamik der Fahrt verlieh den Bildern eine zusätzliche Tiefe. Besonders beeindruckend war die Fahrt entlang der geschwungenen Bergstraßen: Hier bildete der dunkle Asphalt einen scharfen, grafischen Kontrast zu den leuchtend grünen Hängen, die sich wie weiche Samtkissen über das schroffe Gestein legten. Aus dem fahrenden Jeep heraus fixierten wir die majestätischen Krater, deren Ränder durch den feinen Bewuchs fast unwirklich weich gezeichnet wurden. Lanzarote präsentierte sich uns nicht als tote Steinwüste, sondern als lebendiger Organismus, der jeden Tropfen Wasser in reine visuelle Energie verwandelte. Es war eine technische Herausforderung, die Schärfe bei voller Fahrt beizubehalten, doch der Autofokus der R6 II krallte sich unerbittlich an die Strukturen der grünen Vulkanflanken. Diese Aufnahmen dokumentieren einen seltenen Moment der Regeneration, den man so nur selten auf der „Feuerinsel“ zu Gesicht bekommt.
Karawanen im Vulkansand
Kurz vor dem Verlassen der Kernzone des Nationalparks begegneten wir noch einem weiteren Wahrzeichen Lanzarotes: Den Dromedaren. Lange Karawanen von Tieren, die Touristen durch die sanften Aschehügel tragen, zogen am Straßenrand vorbei. Die bunten Sättel bildeten einen tollen farblichen Akzent zur sonst eher monochromen Umgebung der Timanfaya-Region. Auch diese Szenen konnten wir dank der strategischen Sitzposition im Jeep direkt aus dem Wagen heraus dokumentieren.
Das Erbe der Asche: Die Weinstraße von La Geria
Nach der Fahrt durch die Kraterlandschaft erreichten wir eines der weltweit faszinierendsten Weinanbaugebiete: La Geria. Hier hat der Mensch aus der Katastrophe der historischen Vulkanausbrüche eine einzigartige Kulturlandschaft geschaffen. Aus dem fahrenden Jeep bot sich uns ein surreales Bild. Die schwarzen Felder der Lapilli (Vulkanasche) waren mit tausenden halbkreisförmigen Mauern aus Lavagestein übersät. Diese sogenannten „Zocos“ schützen die Reben vor den unerbittlichen Passatwinden. Da wir durch den vorangegangenen Regen ein ungewöhnlich farbenfrohes Lanzarote erlebten, mischten sich unter das dominante Schwarz der Asche und das frische Grün der Weinstöcke leuchtend gelbe Teppiche aus Wildblumen – ein botanisches Wunder auf Zeit. Die geometrische Präzision, mit der die Trichter (Hoyos) in den Boden gegraben wurden, ist aus der Cockpit-Perspektive besonders beeindruckend. Es wirkt wie ein riesiges, natürliches Kunstwerk. Die R6 II hielt die harten Kontraste zwischen den dunklen Steinen und den hellen, weißen Fincas fest, die vereinzelt wie Außenposten in den Hängen thronen.
Hommage an die Scholle: Das Monumento al Campesino
Nach den weiten Feldern von La Geria steuerte unsere Jeep-Kolonne das geografische Herz der Insel an: San Bartolomé. Hier ragt das Monumento a la Fecundidad (Denkmal der Fruchtbarkeit) majestätisch in den blauen Himmel. César Manrique schuf dieses 15 Meter hohe, strahlend weiße Monument als tiefe Verbeugung vor den Bauern der Insel, die der kargen vulkanischen Erde – ihrer „Scholle“ – seit Jahrhunderten mit bloßen Händen das Überleben abringen. Die kubistischen Formen der Skulptur bilden einen harten, fast schon chirurgischen Kontrast zum tiefschwarzen Boden und den ockerfarbenen Vulkanflanken im Hintergrund. Wir näherten uns dem Monument über eine breite Treppe aus dunklem Stein, flankiert von weiß getünchten Mauern und einer mächtigen Palme, die wie ein natürlicher Wächter wirkte. Ein besonderes fotografisches Highlight war das Spiel mit den Sichtachsen der angrenzenden Architektur. Manrique hat hier ein Ensemble geschaffen, das die traditionelle Bauweise Lanzarotes – weiße Mauern, grünes Holz, dunkles Gestein – perfekt konserviert. Besonders faszinierend war eine Perspektive, die wir durch eine der weißen, rechteckigen Maueröffnungen einfingen: Der Blick wurde wie durch einen natürlichen Rahmen direkt auf die fernen Vulkankegel gelenkt. Diese „Rahmung“ der Landschaft ist ein klassisches Element des Manrique-Stils und ein Beweis dafür, wie Architektur die Wahrnehmung von Natur steuern kann. Aus erhöhter Position dokumentierten wir das gesamte Areal der Casa-Museo del Campesino. Der zentrale weiße Platz mit seinem markanten kreisförmigen Bodenmuster wird von einer Reihe niedriger Gebäude umschlossen, deren Fenster und Türen im typischen Lanzarote-Grün leuchten. Es ist ein Ort der Ordnung inmitten der wilden Vulkanlandschaft. In den Außenbereichen entdeckten wir zudem Zeugen der harten landwirtschaftlichen Vergangenheit: Ein historisches, rostiges Ackergerät aus massivem Eisen und Holz stand als stummes Mahnmal auf der dunklen Asche. Trotz der kargen Umgebung bot der Ort überraschende Details für Makro-Aufnahmen. Zwischen den Steinen leuchtete die gelbe Blütenpracht von Sukkulenten hervor, die wir in einer Detailstudie sicherten – ein kleiner, aber kraftvoller Farbtupfer gegen das dominante Weiß und Schwarz des Geländes. Nachdem wir diese architektonische Reinheit gesichert hatten, setzten wir unsere Reise fort. Das Bauerndenkmal war für uns nicht nur ein Fotostopp, sondern eine visuelle Bestätigung dafür, dass auf dieser Insel Kunst und der Kampf um den fruchtbaren Boden untrennbar miteinander verbunden sind.
Rückkehr zur Luna: Glanzmomente im Hafen
Nach einem intensiven Tag auf den staubigen Pisten und in den grünen Tälern Lanzarotes steuerten unsere Jeeps schließlich wieder den Hafen von Arrecife an. Das Wetter hätte für den Abschluss dieser Etappe nicht besser sein können: Die Wolken hatten sich verzogen und machten Platz für ein intensives Azurblau, das die AIDAluna an der Pier förmlich leuchten ließ.
Bevor wir wieder an Bord gingen, nutzten wir die Gelegenheit für eine ausführliche fotografische Dokumentation des Schiffsäußeren. Unter der prallen kanarischen Sonne zeigten sich die architektonischen Details der Sphinx-Klasse in ihrer vollen Schärfe. Wir fokussierten uns auf die technischen und gestalterischen Merkmale, die dieses Schiff so einzigartig machen. Besonders der Bug mit dem ikonischen Kussmund und dem großen, wachsamen Auge ist ein Muss für jeden Fotografen. Die Kamera hielt die massiven Taue fest, die die Luna sicher an der Kaimauer hielten – ein Symbol für Stabilität nach der Dynamik der Jeep-Tour. Ein weiteres Motiv-Thema waren die Rettungsboote. In ihrem leuchtenden Gelb bildeten sie einen starken farblichen Akzent zur weiß-blauen Bordwand. Wir dokumentierten verschiedene Stationen, von Boot Nummer 7 bis hin zu den Tenderbooten 11 und 13. Die Symmetrie der Davits und die technologische Ordnung an der Schiffsflanke lieferten grafisch höchst interessante Kompositionen. Sogar die Brücke, das Gehirn des Schiffes, rückte in unser Visier. Von der Pier aus wirkten die weit ausladenden Nocken fast wie der Kopf eines futuristischen Giganten, der über das Hafenbecken wacht. Auch die abstrakten Formen der Schiffsbemalung – blaue Wellen, die über die runden Bullaugen der unteren Decks schwappen – boten erstklassiges Material für Detailstudien. Nachdem wir die Luna aus jeder denkbaren Perspektive im Kasten hatten, führte uns der Weg über die Gangway zurück an Bord. Die Speicherkarten waren prall gefüllt mit dem Kontrast zwischen der rauen Natur Lanzarotes und der glänzenden Ästhetik unseres Schiffes.
Details an Bord: Perspektiven auf Deck 5
Wieder zurück an Bord hielt uns das „Kaiserwetter“ weiterhin in Atem. Wir nutzten die ruhigen Minuten vor dem Auslaufen für einen Streifzug über die Promenade auf Deck 5. Dieser Bereich ist ein Paradies für Detail-Aufnahmen, da die mächtigen gelben Rettungsboote hier ein schützendes Dach über dem grünen Deck bilden und gleichzeitig spannende Sichtachsen zum Hafen und zum Meer eröffnen. Die Kamera fixierte die mechanischen Details der Bootspropeller und die komplexe Struktur der Davits, die durch das harte Sonnenlicht plastisch hervorgehoben wurden. Wir dokumentierten verschiedene Stationen, von Rettungsboot Nummer 7 bis hin zu den Tenderbooten 11 und 13. Die Symmetrie der Aufhängungen und die technologische Ordnung an der Schiffsflanke lieferten grafisch höchst interessante Kompositionen. Ein Blick über die Reling entlang der Schiffshülle offenbarte die schiere Länge. Vorbei an den aufgereihten weißen Containern der Rettungsinseln fiel der Blick hinunter zur Pier, wo die Hafenlogistik in vollem Gange war. Sogar die abstrakten Formen der Schiffsbemalung – blaue Wellen, die über die runden Bullaugen der unteren Decks schwappen – boten erstklassiges Material für Bildstudien. Nachdem wir die Luna sowohl von Land als auch von Deck aus umfassend dokumentiert hatten, zogen wir uns kurzzeitig zurück. Die Speicherkarten waren nun prall gefüllt mit dem Kontrast zwischen der wilden Natur Lanzarotes und der glänzenden technischen Welt unserer schwimmenden Heimat.
Erfrischungspause: Durch den Yachtclub zur Bar
Nach der ausführlichen Dokumentation der Decks und der technischen Anlagen war es Zeit für ein neues Ziel: die Kaltgetränke-Logistik. Unser Weg führte uns von den Außendecks durch das Herz der kulinarischen Vielfalt auf Deck 10. Beim Betreten des Innenbereichs passierten wir den Yachtclub und die Lanai Bar. Die Gestaltung der Glastüren mit ihren handgezeichneten Logos vermittelte sofort eine entspannte, maritime Atmosphäre. Ein besonderer Blickfang auf dem Weg war das East Fusion und die angeschlossene Sushi Bar. Die Architektur hier ist ein Meisterwerk des modernen Designs: Warme Holztöne treffen auf elegante Goldakzente und eine indirekte Beleuchtung. Besonders beeindruckend war die Inszenierung der künstlichen Kirschblütenbäume im Restaurantbereich. Schließlich erreichten wir unser Ziel im Außenbereich. Es war Zeit, den Staub der Lanzarote-Pisten endgültig wegzuspülen. Dank unseres Pakets war die Wahl schnell getroffen: Ein herbes Radeberger Pilsner und ein naturtrübes Schöfferhofer Weizen. An einem der Holztische an Deck, mit direktem Blick auf die glitzernde Hafenoberfläche und die Silhouette der Vulkane im Hintergrund, stießen wir auf den erfolgreichen Tag an. Das Bild des erhobenen Glases gegen die tiefblaue Kulisse des Atlantiks ist für uns das ultimative Symbol dieser Reise: Freiheit, Genuss und der Sieg über den Alltag. Mit dieser Erfrischung im System waren wir bereit für das nächste Kapitel des Tages. Die Speicherkarten waren voll, die Gläser auch – ein perfekter Moment an Bord der Luna.
Leinen los: Abschied von der Feuerinsel
Während wir unser Bier genossen, setzten die ersten Vorbereitungen für das Ablegen ein. Das Hafenbecken von Arrecife bot eine geschäftige Kulisse. Direkt gegenüber lag die „MSC Musica“ wie ein mächtiger, weißer Wall an der Pier. Die Kamera hielt den Kontrast zwischen den eleganten Linien der Kreuzfahrtschiffe und der rauen Funktionalität des Containerterminals fest. Kräne ragten wie eiserne Skelette in den Himmel, während Frachter wie die „WEC Van Gogh“ beladen wurden – ein industrielles Panorama vor den fernen Vulkankegeln Lanzarotes. Dann lösten sich die schweren Taue. Mit einer sanften Vibration der Maschinen begann die Luna, sich von der Kaimauer zu entfernen. Wir passierten die lange Mole, die den Hafen gegen die Brandung des Atlantiks schützt. Von unserem Platz an Deck beobachteten wir, wie der Hafen und die Stadt Arrecife langsam kleiner wurden. Das Licht des späten Nachmittags tauchte die Küste in ein weiches Goldbraun. In der Ferne zeichneten sich die Silhouetten der Feuerberge ab, die wir erst Stunden zuvor mit dem Jeep durchquert hatten. Es war ein Moment des Innehaltens: Lanzarote verschwand langsam am Horizont, während der Bug der Luna bereits Kurs auf das nächste Abenteuer nahm. Das Ziel ist nun klar definiert: Agadir, Marokko. Vor uns liegt eine Nacht auf dem offenen Atlantik – Zeit, die Erlebnisse zu verarbeiten und die Akkus für den Orient aufzuladen.
Gefühl: Der Staub Lanzarotes ist weggespült, das Kielwasser glitzert in der Sonne. Lanzarote war ein Triumph – Marokko, wir sind bereit für dich!
Dienstag der 17.03.2026
Tag 3: Marokkanische Kontraste – Ankunft in Agadir
Die Nacht auf dem Atlantik verlief ruhig, und die AIDAluna pflügte stetig in Richtung Osten. Als wir am frühen Dienstagmorgen an Deck traten, empfing uns eine völlig veränderte Szenerie. Die klare, scharfe Luft der Kanaren war einem weichen, fast milchigen Dunst gewichen, der über der marokkanischen Küste hing. Es war der Moment, in dem der Orient zum ersten Mal seine Fühler nach uns ausstreckte.
Annäherung im Morgengrauen
Gegen 07:30 Uhr zeichneten sich die ersten Umrisse von Agadir ab. Die Küstenlinie wirkte im fahlen Morgenlicht noch schattenhaft und geheimnisvoll. Wir bezogen Position an der Reling, um das Einlaufen zu dokumentieren. Die weiten Molen des Hafens schoben sich wie schützende Arme ins Meer, verstärkt durch unzählige Tetrapoden, die der Brandung trotzen. Ein besonderer Blickfang war der markante Berg, der die Bucht von Agadir dominiert. Auf seinen Flanken prangen in riesigen arabischen Lettern die Worte „Allah, al-Watan, al-Malik“ (Gott, Vaterland, König). In der Morgendämmerung wirkte diese Inschrift wie ein mächtiges Siegel über der Stadt – ein starkes grafisches Motiv, das den kulturellen Wechsel dieser Reise visuell besiegelte.
Maritime Präzision: Das Lotsenboot "IDA"
Kurz vor der Hafeneinfahrt erhielten wir Besuch. Das Lotsenboot mit dem Namen „IDA“ tanzte auf den Wellen direkt neben unserer massiven Bordwand. Die leuchtenden Farben des kleinen Bootes – Schwarz, Weiß und ein kräftiges Grün – bildeten einen fantastischen Kontrast zum tiefblauen Wasser. Aus unserer erhöhten Perspektive hielten wir den Moment fest, in dem das wendige Boot uns sicher in den Hafen leitete.
Facetten des Industriehafens
Beim Passieren der Molen eröffnete sich uns der Blick auf das arbeitende Agadir. Der Hafen ist geprägt von einer rauen Funktionalität. Wir dokumentierten die weiten Becken und die massiven Krananlagen, die im Dunst wie eiserne Skelette in den Himmel ragten. Sogar zwei Flugzeuge, umgebaut als Restaurant, die oben auf dem Berg thronten, konnten wir durch unsere Optik fixieren. An den Kaimauern lagen verschiedene Schiffe, darunter der rote Tanker „Tina Theresa“, der mit seiner kräftigen Farbe einen tollen Akzent in die sonst eher gedeckte Morgenstimmung setzte. Die AIDAluna glitt mit höchster Präzision an den Kaimauern vorbei, während über uns die Möwen kreisten. Die Vorbereitungen für unseren Landgang liefen bereits auf Hochtouren. Marokko lag uns zu Füßen – bereit, von uns in all seinen Kontrasten erkundet zu werden. Unser Ziel für heute: Das Hinterland mit dem sagenumwobenen Paradiestal.
Landgang im Hafen von Agadir: Zwischen Stahl und Vorfreude
Nachdem die Luna sicher vertäut war, hieß es: „Leinen los“ für uns. Der Gang über die Gangway markierte den offiziellen Startschuss für unseren Tag in Marokko. Unten an der Pier angekommen, wurde uns die schiere Größe unserer schwimmenden Heimat erst richtig bewusst. Aus der Froschperspektive wirkte der Bug mit dem wachsamen Auge und dem markanten Kussmund fast wie eine gigantische Skulptur. Ein Blick nach oben zu den weiten Glasfronten der Brücke verdeutlichte die technologische Komplexität des Schiffes. Hier wird die Luna sicher durch die Ozeane navigiert, während wir uns bereit machten, den marokkanischen Boden unter die Füße zu nehmen. Die Logistik an der Pier war beeindruckend. Während eine Gruppe von Passagieren das Schiff verließ, wartete am Kai bereits eine ganze Flotte von Bussen und Mini-Bussen auf die verschiedenen Ausflugsgruppen. Auch Fahrräder standen für die aktiven Entdecker bereit. Wir hielten uns im Schatten der riesigen Krananlagen auf und warteten auf unseren Mini-Bus, der uns tief in das Hinterland führen sollte. Die Umgebung des Industriehafens bot überraschend spannende Fotomotive. Direkt hinter dem Parkplatz türmten sich Berge aus Containern auf. Die kräftigen Farben von Maersk, Triton und CMA CGM bildeten ein buntes, fast schon abstraktes Labyrinth aus Stahl, das im Kontrast zum grauen Morgenhimmel leuchtete. Wir nutzten die Zeit, um die Szenerie auf uns wirken zu lassen. Der Geruch von Diesel mischte sich mit dem salzigen Aroma des Atlantiks. Unsere Gruppe sammelte sich langsam, die Kamera war einsatzbereit – das Abenteuer „Paradiestal“ konnte beginnen.
Gefühl: Der Boden unter den Füßen vibriert nicht mehr, dafür steigt die Spannung. Vom modernen Schiff direkt in die geschäftige Hafenwelt Marokkos. Wir sind bereit für die Berge!
Weitblick über die Hügel: Der Stopp in Alma Cheval
Nachdem sich unsere kleine Reisegruppe im Mini-Bus eingefunden hatte, ließen wir die stählernen Riesen des Hafens hinter uns. Die Fahrt führte uns schnell weg von der industriellen Küste hinein in das sanft gewellte Hinterland. Was uns sofort auffiel: Auch hier in Marokko hatte der Regen der vergangenen Wochen Spuren hinterlassen. Die Landschaft präsentierte sich in einem überraschend frischen Grün. An den Hängen klebten malerische Anwesen, die von Palmen und dichter Vegetation eingerahmt waren – kleine Oasen der Ruhe abseits des geschäftigen Agadir. Die Architektur mit ihren flachen Dächern und den Erdtönen verschmolz harmonisch mit der Umgebung. Besonders farbenfroh war die Begegnung mit einem kleinen Gebäude am Wegesrand, das vermutlich eine Schule oder ein Gemeinschaftszentrum beherbergte. Geschmückt mit einer leuchtend roten marokkanischen Flagge und einem kunstvollen Wandgemälde, war es ein tolles Motiv. Die arabischen Schriftzüge erinnerten uns daran, dass wir nun tief in die marokkanische Kultur eintauchten. Der Weg wurde schmaler und wand sich höher in die Ausläufer des Atlasgebirges. In dieser kargen, aber dennoch lebendigen Natur trafen wir auch auf die wahren "Besitzer" der Hänge: Eine Herde Ziegen kletterte gekonnt über die felsigen Pfade, aufmerksam beobachtet von einem treuen Hirtenhund. Ein Schnappschuss purer marokkanischer Lebensart. Ein besonderer Höhepunkt der Fahrt war der Blick auf Alma Cheval. Von erhöhten Aussichtspunkten aus wirkte die Landschaft wie ein gewaltiges, natürliches Amphitheater. Grüne Hügelketten schoben sich staffelförmig ineinander, während in den Senken markante Gebäude in warmen Ocker- und Rosatönen thronten. Ein besonderer Blickfang war ein Anwesen im Tal, vor dem unzählige helle Objekte – vermutlich Bienenstöcke – wie kleine Tupfen auf der Erde verteilt waren. Der Kontrast zwischen dem verhangenen Himmel und dem leuchtenden Grün verlieh den Aufnahmen eine fast schon mystische Tiefe. Wir hielten kurz inne, um diese Weite festzuhalten, bevor wir die letzte Etappe in Angriff nahmen: den Weg tiefer in die Berge zum Paradiestal.
Oasen-Flair und Argan-Gold: La Palmeraie De Tamzargot
Nur kurze Zeit später erreichten wir das Gebiet um La Palmeraie De Tamzargot. Wir legten einen gezielten Stopp ein und erkundeten die Umgebung zu Fuß entlang der Straße. Die Luft hier im Tal war merklich feuchter, was sich in einer fast schon unwirklich üppigen Vegetation widerspiegelte. Ein absolutes Muss für unsere Kameras waren die Arganbäume. Wir konnten die festen, grünen Früchte aus nächster Nähe dokumentieren. Es ist faszinierend zu wissen, dass aus diesen Kernen das kostbare Arganöl gewonnen wird – das flüssige Gold Marokkos. Die Schärfe unserer Optik hielt jedes Detail der Blätter und Früchte fest. Der Weg führte uns an einem kleinen Straßengeschäft vorbei, das wie ein bunter Außenposten wirkte. Vor dem Laden waren Keramiken, Schalen und Tajine-Formen aufgereiht, während Schilder auf den Verkauf von lokalem Honig („Miel“) hinwiesen. Ein kurioses Detail am Wegesrand lieferte ein besonderes Motiv: Der völlig verrostete Rahmen eines alten Motorrades lehnte vor einer leuchtend korallenfarbenen Wand – ein tolles Stillleben.
Das Rätsel der Zeichen: Am Tor zum Vallée de Tamzergout
Ein besonderes Highlight dieses Stopps war die Begegnung mit unserem lokalen Begleiter an einem großen Wegweiser. Er deutete auf das Schild des „Vallée de Tamzergout“, das uns vor eine echte Herausforderung stellte. Während Arabisch und Französisch noch geläufig wirkten, waren es die dritten Schriftzeichen, die uns völlig in ihren Bann zogen.
Es handelte sich um Tifinagh, die Schrift der Berber (Amazigh). Die Zeichen bestehen aus geometrischen Kreisen, Quadraten und Linien, die fast wie eine archaische Computersprache oder eine geheimnisvolle Symbolschrift wirken. Es war ein wahres Erlebnis, zu versuchen, diese Linien visuell zu entziffern, während unser Guide uns die Bedeutung erklärte. Ein Foto dieses Moments ist ein wertvoller Beleg für die tiefe kulturelle Verwurzelung der Region.
Gefühl: Die Zeichen an der Wand sind entziffert, der Blick schweift über Tausende von Palmen. Marokko zeigt uns heute seine grünste und kulturell spannendste Seite.
Ein Meer aus Palmen: Die grüne Lunge des Tals
Von unserer erhöhten Position an der Straße aus eröffnete sich uns schließlich das volle Panorama des Tals. Es war buchstäblich ein Meer aus Palmen. Tausende von Dattelpalmen füllten den Talboden bis in den letzten Winkel aus und bildeten ein dichtes, wogendes Blätterdach in allen Schattierungen von Smaragd- bis Dunkelgrün. Das Tal ist ein Ort der extremen Kontraste. Während die umliegenden Bergrücken des Atlas karg, ockerfarben und fast lebensfeindlich wirken, pulsiert im Talboden das Leben. Wir dokumentierten die Sichtachsen durch das Geäst, wo zwei mächtige Palmen wie Wächter über das Tal ragten. Der Blick tief hinein in die Palmeraie offenbarte ein komplexes Ökosystem, in dem jede Pflanze ihren Platz findet. Sogar ein kleines weißes Haus am Hang wirkte zwischen den massiven Palmenkronen fast winzig.
Botanische Schätze am Wegesrand: Johannesbrot
Neben den Palmen und Arganbäumen entdeckten wir ein weiteres wichtiges Gewächs der Region: den Johannesbrotbaum. Inmitten des dichten Grüns hielten wir die langen, flachen und noch leuchtend grünen Schoten fest, die in schweren Büscheln von den Zweigen hingen. Diese Früchte sind nicht nur ein wichtiges Viehfutter, sondern werden auch zu Sirup oder Mehl verarbeitet – ein weiterer Beweis für die natürliche Schatzkammer Marokkos.
Oasen-Logistik: Saftstände und Fluss-Cafés
Was uns besonders faszinierte, war die improvisierte, aber charmante Infrastruktur für Wanderer. Inmitten der rauen Felswände entdeckten wir kleine Verkaufsstände wie den von „Chez Hassan“. Ein bunter Stand aus Bambusmatten und einer blauen Plane versprach frisch gepressten Orangensaft. Es ist erstaunlich, mit wie viel Liebe zum Detail diese kleinen Oasen der Bewirtung direkt in die Natur integriert wurden. Das absolute Highlight in Sachen Entspannung fanden wir jedoch direkt im Wasser. Die findigen Marokkaner haben bunte Plastikstühle und Tische einfach mitten in den seichten Flusslauf gestellt. Hier kann man buchstäblich die Füße im kühlen Nass baumeln lassen, während man einen Tee oder Saft genießt. Der Kontrast zwischen den leuchtenden Farben der Möbel und dem ockerfarbenen Schlamm des Ufers war ein erstklassiges Motiv.
Das Herz des Paradiestals: 60 Minuten Natur pur
Wir starteten unsere eigentliche Expedition. Knapp 15 Minuten dauerte der Marsch hinunter in die tiefsten Bereiche des Tals. Es war keine einfache Wanderung, sondern ein echtes Naturerlebnis. Der Weg wand sich immer tiefer in den Canyon, wobei die ockerfarbenen Felswände links und rechts von uns immer majestätischer aufragten. An manchen Stellen öffnete sich die Schlucht und gab den Blick frei auf riesige Ansammlungen von Palmen, die wie eine grüne Welle den Boden fluteten. Der Kontrast zwischen der kargen Erosion an den oberen Hängen und der dichten, saftigen Vegetation unten am Wasser war atemberaubend. Der Pfad schlängelte sich durch eine beeindruckende Canyon-Kulisse, die uns sofort in ihren Bann zog. Der Kontrast war gewaltig: Hinter uns die staubige Piste, vor uns ein grünes Band aus Palmen und blühendem Oleander, das sich tief durch die steilen, ockerfarbenen Felswände schnitt. Die Wanderung forderte uns bei steigenden Temperaturen heraus. Wir folgten dem schmalen, teils steinigen Pfad entlang des Flusslaufs. Jeder Schritt eröffnete neue Perspektiven auf die bizarren Gesteinsformationen und die tiefen, natürlichen Becken, in denen das Wasser türkisblau schimmerte.
Handwerkskunst und Fluss-Idylle: Begegnungen am Wasser
Im Schatten der hohen Palmen präsentierten lokale Händler ihre Schätze. Die Vielfalt der Farben und Formen war überwältigend. Auf langen Tischen waren kunstvoll verzierte Keramiken, handbemalte Tassen sowie die typischen Mini-Tajines aufgereiht. Besonders beeindruckend waren die Holzarbeiten aus dem duftenden Thuya-Holz. Ein Stück weiter stießen wir auf das
Afra Art Café. Unter einem Dach aus Schilfmatten luden niedrige Tische und unzählige bunte Kissen zum Verweilen ein. Ein Schild mit der Aufschrift „Stay and Connect to Nature“ gab die Philosophie des Ortes vor.
Authentisches Marokko: Willkommen bei Rachid
Der Pfad führte uns weiter am Ufer entlang, immer begleitet vom leisen Plätschern des Flusses und dem Rascheln der Palmenwedel. Die Natur hier ist wild und ungezähmt, aber zwischendurch blühen kleine Wunder am Wegesrand auf, wie eine makellose weiße Wildrose, die wir im Detail festhalten konnten. Plötzlich tauchte zwischen den Bäumen eine weitere kleine Oase auf. Eine hölzerne Hütte, deren Fassade mit bunten Gemälden von Palmen und einem blauen Frosch verziert war, hieß uns willkommen: „Welcome to Rachid“. Es wirkte wie ein vergessenes Paradies für Aussteiger. Im Inneren offenbarte sich uns die pure Gemütlichkeit. Auf einem der rustikalen Holztische stand bereits eine traditionelle Tajine bereit, umringt von einfachen Stühlen auf dem Erdboden. Es ist dieser Kontrast zwischen der Einfachheit der Mittel und der maximalen Atmosphäre, der uns hier so faszinierte.
Schweiß und Schätze: Der mühsame Aufstieg
So idyllisch die Zeit unten am Fluss auch war, so fordernd präsentierte sich uns nun der Rückweg. Die Sonne stand mittlerweile fast im Zenit und brannte erbarmungslos auf die ockerfarbenen Felsen des Canyons nieder. Was wir zuvor mit Vorfreude hinabgestiegen waren, verlangte uns beim Aufstieg nun alles ab. Die Steigung war steil, der Boden staubig und die Luft flimmert vor Hitze. Wir machten jedoch aus der Not eine Tugend. Die notwendigen Verschnaufpausen nutzten wir gezielt für fotografische Detailstudien am Wegesrand. Von den höheren Ebenen des Pfades aus boten sich uns erneut spektakuläre Perspektiven auf das Palmenmeer unter uns. Die Baumkronen wirkten aus dieser Höhe wie ein dichter, wogender Teppich in allen erdenklichen Grüntönen. Trotz der Trockenheit entdeckten wir kleine botanische Highlights. Eine prächtige Bougainvillea streckte uns ihre leuchtend gelb-orangen Blüten entgegen – ein brillanter Farbtupfer vor dem erdigen Hintergrund. Auch ein einsamer, kleiner Baum, der sich mutig gegen die Erosion am Hang stemmte, wurde zum Symbol für die Vitalität dieser Landschaft. Ein schlichtes, handbemaltes Schild mit der Aufschrift „Cafe Le Palmier“ wies uns den Weg und erinnerte uns daran, dass die Zivilisation nicht mehr weit entfernt war. Kurz vor dem Erreichen des Plateaus begegnete uns ein Motiv, das unsere eigene Anstrengung sofort relativierte: Ein junger Marokkaner führte einen schwer bepackten Esel den schmalen Steinpfad hinauf. Das Tier trug massive Boxen mit Nachschub für die Cafés im Tal. Das rhythmische Klappern der Hufe auf dem Stein und die Gelassenheit des Treibers waren ein eindrucksvolles Zeugnis für die harte Arbeit in dieser unwegsamen Region. Völlig durchgeschwitzt, aber stolz auf die erbrachte Leistung, erreichten wir schließlich wieder den Parkplatz. Ein letzter Blick zurück in das grüne Tal bestätigte: Das „Paradies“ muss man sich manchmal eben hart erarbeiten.
Gefühl: Das T-Shirt klebt, die Beine brennen, aber die Bilder im Kasten sind jede Schweißperle wert. Marokko hat uns gefordert – und reich belohnt.
Das flüssige Gold Marokkos: Besuch der Arganöl-Herstellung
Völlig durchgeschwitzt, aber stolz auf den Aufstieg, erreichten wir unseren Mini-Bus. Die Fahrt führte uns nun zu einem Ort, an dem die wertvollsten Schätze der Region verarbeitet werden. Die Arganie wächst weltweit fast ausschließlich hier im Südwesten Marokkos. Schon im Außenbereich der Kooperative empfing uns eine üppige Flora. Wir dokumentierten ein sattes Meer aus frischem Rosmarin, das in hellem Grün leuchtete, und hielten die fast geometrische Perfektion eines fächerartigen Palmenblattes im Gegenlicht fest. Im Inneren der Manufaktur tauchten wir tief in das traditionelle Handwerk ein. Die Kamera fixierte die verschiedenen Stadien der Produktion: Von den getrockneten, dunklen Arganfrüchten über die harten Nüsse bis hin zu den wertvollen, hellen Mandeln, die mühsam von Hand aus den Kernen befreit werden. Der Moment, in dem wir eine Handvoll dieser braunen Kerne hielten, machte die Wertigkeit dieses „flüssigen Goldes“ erst richtig greifbar.
Ein Fest für die Sinne: Honig, Amlou und Tafarnout
Der krönende Abschluss unseres Besuchs war eine ausführliche Verkostung. In einem modern gestalteten Präsentationsraum, dessen Regale in Form von hexagonalen Bienenwaben angeordnet waren, erfuhren wir alles über die verschiedenen Honigsorten der Region. Wir nahmen an einem runden Tisch Platz, auf dem bereits verschiedene Köstlichkeiten aufgereiht waren. Es gab Schalen mit hellem Arganöl, dunklem Thymian-Honig und dem berühmten Amlou – einer marokkanischen Spezialität aus Arganöl, Honig und Mandeln. Dazu wurde frisch gebackenes Tafarnout-Brot gereicht. Das warme, fluffige Fladenbrot direkt in die verschiedenen Öle und Honigsorten zu tunken, war ein kulinarisches Erlebnis, das den anstrengenden Aufstieg im Nu vergessen ließ. Mit dem süßen Geschmack von Marokko auf der Zunge und einigen Flaschen des kostbaren Öls im Gepäck machten wir uns schließlich auf den Rückweg zum Hafen. Marokko hat uns heute in jeder Hinsicht – landschaftlich, handwerklich und kulinarisch – vollends überzeugt.
Gefühl: Der Schweiß ist getrocknet, die Sinne sind gesättigt. Die Kombination aus der körperlichen Anstrengung im Canyon und der anschließenden Belohnung durch die traditionellen Köstlichkeiten war die perfekte Strategie für diesen Tag.
Streetlife Aourir: Das ungeschminkte Marokko
Auf der Rückfahrt zur Luna ließen wir die Kamera im Anschlag. Während der Mini-Bus durch die Straßen von Aourir rollte, boten sich uns Motive, die man nicht planen kann. Hier ist nichts inszeniert – es ist das echte Leben am Straßenrand, geprägt von Staub, intensiven Farben und einer beneidenswerten Gelassenheit. Aourir, das oft als „Bananendorf“ bezeichnet wird, zeigte uns seine raue, aber herzliche Seite. Die Architektur ist ein faszinierendes Puzzle aus kubischen Formen. Wir dokumentierten Häuserzeilen, bei denen strahlendes Weiß auf tiefes Ocker und leuchtendes Rot trifft. Oft ragen die Bewehrungseisen noch aus den Dächern – ein Zeichen für den ständigen Wandel und das organische Wachstum dieser Siedlungen. Ein besonders intensives Motiv war der Blick auf die Friedhofsanlage von Aourir. Die schlichten, weißen Grabsteine schmiegten sich an die kahlen Flanken der Hügel – ein Ort der Ruhe inmitten des geschäftigen Treibens.
Sinne auf Empfang: Der Markt von Aourir
Je tiefer wir in den Ortskern vordrangen, desto mehr explodierten die visuellen Eindrücke. Der Markt von Aourir ist kein Ort für schwache Nerven, sondern ein Fest für die Sinne. Wir hielten die Kamera direkt auf die „Boucherie“ – die lokale Metzgerei. Hier hängen die Fleischstücke offen vor dem Laden, ein Anblick, der für uns ungewohnt, aber für das tägliche Leben hier absolut authentisch ist. Die leuchtend blauen Fliesen des Ladens bildeten einen harten Kontrast zum Rot des Fleisches. Direkt daneben fanden wir die „Epicerie“ – kleine Läden, die aus allen Nähten zu platzen schienen. Obst- und Gemüsestände türmten sich am Straßenrand auf: Pralle Tomaten, leuchtende Orangen und tiefgrüne Zucchini waren in perfekten Pyramiden aufgeschichtet. Es ist erstaunlich, welche Fülle diese karge Region hervorbringt. Ein absolutes Highlight für unsere Makro-Perspektive war ein Stand mit eingelegten Köstlichkeiten. In großen Schalen und Gläsern waren unzählige Sorten von Oliven, eingelegten Zitronen und scharfen Chilischoten arrangiert. Das Spiel der Farben – vom hellen Gelb der Zitronen bis zum tiefen Schwarz der Oliven – war ein fotografischer Hochgenuss. Man konnte den würzigen Duft förmlich durch die Linse riechen. An den Straßenecken mischten sich kleine „Snacks“ und „Patisserien“ unter die Wohnhäuser. Wir beobachteten das Treiben vor den Läden: Männer in traditionellen Gewändern, die sich auf ein Gespräch trafen, und Kinder, die zwischen den parkenden Autos spielten. Die arabischen Schriftzüge an den Wänden und die kunstvoll verzierten Türen gaben jeder Aufnahme eine zusätzliche kulturelle Ebene. Diese ungeschönten Einblicke machten den Tag in Marokko für uns erst richtig komplett. Es sind genau diese Momente – der Geruch der Gewürze, der Anblick der hängenden Fleischviertel und das bunte Chaos der Gemüsestände –, die die wahre Essenz Marokkos einfangen. Als schließlich die massiven Kräne des Hafens von Agadir wieder in unser Sichtfeld rückten, wussten wir: Wir haben heute die Seele dieses Landes gespürt.
Rückkehr zum Hafen: Die Luna im Blick
Nachdem wir die lebendigen Straßen von Aourir hinter uns gelassen hatten, schraubte sich die Straße wieder in Richtung Küste empor. Zurück am Hafen von Agadir begrüßte uns die AIDAluna schon von oberhalb der Straße. Es war ein beeindruckender Moment, als die weiße Silhouette des Schiffes plötzlich zwischen den kargen Bergen und dem tiefblauen Atlantik auftauchte. Von unserer erhöhten Position aus bot sich ein fantastisches Panorama über den gesamten Hafenkomplex. Besonders faszinierend war der Kontrast im Vordergrund: Der Fischereihafen von Agadir lag unter uns, ein Wald aus Masten und blauen Fischerbooten, die dicht an dicht im Becken vertäut waren. Die Kamera fixierte das Gewimmel der hölzernen Boote, während im Hintergrund die moderne, stolze Luna wie ein Vorbote einer anderen Welt an der Pier thronte. Wir folgten der Straße weiter hinunter, wobei sich die Perspektive ständig änderte. Mal wirkte die Luna wie eingerahmt von den Hafenkränen, mal lag sie majestätisch frei vor der glitzernden Wasserfläche. Der Anblick der vertrauten Bordwand nach einem Tag voller Staub, Hitze und orientalischer Reize löste ein echtes „Heimkommen“-Gefühl aus. Diese ungeschönten Einblicke und der finale Blick über den Fischereihafen machten den Tag in Marokko für uns erst richtig komplett. Wir hatten die Seele dieses Landes gespürt – von der Stille des Paradiestals über das bunte Chaos in Aourir bis hin zur rauen Maritimität des Hafens.
Deep Ocean Regeneration: 90 Minuten Wellness-Ritual
Wieder an Bord der Luna fühlte sich der Wechsel der Umgebung fast surreal an. Nur eine Stunde zuvor standen wir noch im Staub von Aourir zwischen Fleischervierteln und Gemüseständen – nun empfing uns die kühle, duftende Stille des SPA-Bereichs auf Deck 12. Nach den körperlichen Strapazen des Tages gab es nur ein Ziel: Totale Regeneration. Ich gönnte mir ein 90min Intensiv-Programm, das exakt auf die Bedürfnisse nach einem solchen Outdoor-Einsatz zugeschnitten war. Den Anfang machte ein vitalisierendes Meersalz-Peeling. Es fühlte sich an, als würde nicht nur der feine Wüstenstaub, sondern der gesamte Alltagsstress der letzten Wochen Schicht für Schicht von der Haut abgetragen. Die groben Salzkristalle in Kombination mit pflegenden Ölen hinterließen ein Gefühl von Reinheit und neuer Energie. Direkt im Anschluss folgte die maritime Tiefenpflege: Eine Packung aus Algenmatsch wurde großflächig auf die Haut aufgetragen. Während die Wirkstoffe des Meeres in die Haut einzogen, stellte sich eine tiefe Entspannung ein. Es ist ein faszinierender Kontrast: draußen der endlose Atlantik, auf dem wir Kurs zum nächsten Ziel nahmen, und hier drinnen die konzentrierte Kraft des Ozeans als pflegendes Element auf der eigenen Haut. Den krönenden Abschluss bildete eine umfassende, erholsame Massage. Die Verspannungen, die sich während des mühsamen Aufstiegs in der prallen marokkanischen Sonne in den Waden und im Rücken festgesetzt hatten, wurden gezielt gelöst. Unter den geschulten Griffen schien die Zeit stillzustehen. Das sanfte Vibrieren der Schiffsmotoren im Hintergrund mischte sich mit der ruhigen Musik im Behandlungsraum zu einem meditativen Rhythmus. Nach diesen 90 Minuten war der „Staub-Modus“ endgültig deaktiviert – zurück blieb ein völlig entspannter Reisender, bereit für den Abend an Bord.
Gefühl: Die Haut ist glatt, die Muskeln sind locker, und der Kopf ist so klar wie die Gischt am Bug. Vom Canyon-Staub zur Deep-Ocean-Regeneration – Marokko hat uns alles abverlangt und die Luna uns alles zurückgegeben.
Kulinarischer Ausklang im Hafen: Tapas & Kaltgetränke
Während die Luna noch ruhig im Hafen von Agadir liegt und die Kräne an der Pier ihre Arbeit verrichten, haben wir uns für eine erste kleine Stärkung entschieden. Es gibt kaum etwas Besseres, als den Tag mit einer Auswahl an feinen Tapas und einem perfekt temperierten Drink Revue passieren zu lassen. Interessanterweise beweist dieser Moment, dass man nicht immer das große Besteck braucht: Während die Landschaftsaufnahmen des Tages die volle Präzision der Canon R6 II erforderten, entstanden diese atmosphärischen Food-Snapshots in der Tapas-Bar ganz unkompliziert mit dem Handy. Die Bildqualität der modernen Smartphones fängt die Farben der Kulinarik und die entspannte Stimmung an Bord perfekt ein. Unsere Wahl fiel auf eine bunte Mischung maritimer und spanischer Köstlichkeiten. Das Handy hielt die appetitlich angerichteten Schälchen fest: würzige grüne und schwarze Oliven, fein aufgeschnittene Chorizo und in Öl eingelegte Sardellen. Ein besonderes Highlight waren die Gambas al Ajillo – zarte Garnelen in aromatischem Knoblauchöl –, die zusammen mit einem Stück klassischer Tortilla die perfekte Grundlage bildeten. Zur Hydrierung und zum feierlichen Anstoßen auf den erfolgreichen Marokko-Tag durfte die passende Begleitung nicht fehlen. Ein frisch gezapftes, naturtrübes Schöfferhofer Weizen leuchtete bernsteinfarben im Glas, flankiert von einem erfrischenden Cocktail mit Minze und einem fruchtigen Sundowner. Auch ein kühles Estrella Galicia aus der Flasche passte hervorragend zum maritimen Flair der Tapas Bar. Das sanfte Klirren der Gläser mischt sich mit der entspannten Hintergrundmusik, während wir durch die großen Fenster den Hafen von Agadir beobachten. Der Kontrast könnte nicht größer sein: draußen die raue Welt des Fischerei- und Industriehafens, drinnen der pure Genuss. Wir sind bereit für den Moment, wenn die Leinen gelöst werden und die Luna Kurs auf das nächste Abenteuer nimmt.
Alpenglück auf dem Atlantik: Abendessen in der Almhütte
Später am Abend zog es uns für das eigentliche Abendessen in die Almhütte auf Deck 10. Der Wechsel von der marokkanischen Hitze des Tages über den stürmischen Abendregen hin zum rustikalen Alpen-Flair war der ultimative Beweis für die Vielseitigkeit der Luna. In der Almhütte angekommen, vergisst man sofort, dass man sich auf einem Schiff im Atlantik befindet. Das dunkle Holz, die rot-weiß karierten Servietten und die urige Dekoration schaffen eine Gemütlichkeit, die zum stürmischen Wetter draußen hervorragend passte. Die Kamera fing die herzliche Atmosphäre ein – ein Ort, an dem man sich sofort willkommen fühlt. Kulinarisch machten wir keine Gefangenen. Wir starteten mit einer zünftigen Brettljause: Fein aufgeschnittener Schinken, Speck, Bergkäse und herzhafte Aufstriche, serviert auf einem klassischen Holzbrett. Als Hauptgang folgte ein goldbraun gebackenes Schnitzel mit knusprigen Pommes – genau die richtige Belohnung nach den Anstrengungen im Paradiestal. Während draußen der Regen tobte, genossen wir drinnen das Gefühl von Gemeinschaft und exzellentem Essen. Die Kombination aus Marokko-Abenteuer und Alpengemütlichkeit machte diesen Dienstag zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Spotlight an: Entertainment im Theatrium
Nach dem herzhaften Abendessen lockte uns das strahlende Blau des Theatriums. Während die AIDAluna sich langsam auf das Ablegen vorbereitete, startete auf der Bühne das abendliche Show-Programm. Das Ensemble präsentierte eine energiegeladene Performance, die das Publikum sofort in ihren Bann zog. Die moderne Lichttechnik tauchte den Zuschauerraum in tiefes Blau und Violett, während die Künstler mit beeindruckender Präzision agierten. Es ist dieser Moment am Abend, in dem das Schiff zu einer pulsierenden Metropole auf dem Wasser wird.
Abschied von Marokko: Leinen los im Regen
Während im Inneren noch die Musik hallte, kündigte das tiefe Grollen des Typhon den Aufbruch an. Wir bezogen Position an den regennassen Fenstern, um den Abschied von Agadir zu dokumentieren. Draußen peitschte der Regen gegen die Scheiben, und die Lichter des Hafens verschwammen zu einem impressionistischen Gemälde aus Gelb und Weiß. Langsam löste sich die Luna von der Kaimauer. Der Blick zurück zeigte die beleuchteten Berge Marokkos, die im Regendunst fast geheimnisvoll wirkten. Besonders die markante Inschrift am Berg leuchtete uns ein letztes Mal entgegen, bevor sie in der Dunkelheit verschwand. Die nassen Außendecks reflektierten das blaue Licht der Schiffsbeleuchtung und schufen eine fast schon melancholische, aber dennoch wunderschöne Abschiedsstimmung. Wir ließen den beleuchteten Lotsen und die Kräne des Industriehafens hinter uns und nahmen Kurs auf den offenen Atlantik. Das maritime Blau der Luna leuchtete in der Nacht wie ein Leuchtfeuer der Sicherheit, während wir uns in die Dunkelheit des Ozeans vorarbeiteten.
Eskalation Deluxe: Bars, Beats und 35 Gläser
Nachdem Agadir am Horizont verschwunden war, schalteten wir endgültig in den Feiermodus. Wir feierten unseren gelungenen Marokko-Ausflug bis in die frühen Morgenstunden. Unsere Tour führte uns durch die verschiedenen Bars des Schiffes, wo das blau-violette Licht und die pulsierende Atmosphäre die perfekte Kulisse bildeten. Besonderes Highlight war die Silence-Party (Silent Party). Mit den Kopfhörern auf den Ohren tauchten wir ab in unsere eigene Welt, während um uns herum die Menge zu lautloser Musik tanzte. Es war ein Rausch der Sinne, der erst morgens um 3:30 Uhr sein Ende fand. Ein Blick in unser Bordkonto am nächsten Tag verriet die Dimensionen dieser Nacht: Insgesamt standen 35 Getränke auf der Liste – fein säuberlich aufgeteilt in 17 Biere und 18 Cocktails. Dank unseres „Comfort Deluxe“-Pakets blieb dieser Exzess jedoch glücklicherweise komplett kostenfrei. Ein „All-inclusive“-Sieg auf ganzer Linie!
Kursänderung im Auge des Sturms: Orkan Therese
Während wir drinnen feierten, änderte sich draußen die Lage dramatisch. Der Atlantik zeigte seine unbarmherzige Seite. 8 Meter hohe Wellen peitschten gegen die Bordwand der Luna, und das Schiff begann merklich zu arbeiten. Grund für das Naturschauspiel war der aufziehende Orkan „Therese“, der mit einer zerstörerischen Windstärke 12 über den Ozean fegte.
Die Sicherheit der Passagiere und des Schiffes hatte nun oberste Priorität. Der Kapitän traf eine konsequente Entscheidung zur Routenänderung: Teneriffa wurde gestrichen. Stattdessen hieß es: Volle Kraft voraus in den nächstgelegenen sicheren Hafen. Wir steuerten nun auf direktem Weg Fuerteventura an. Das Ziel war es, den Höhepunkt des Orkans geschützt an der Kaimauer zu erleben und nicht ungeschützt auf hoher See den gewaltigen Kräften der Natur ausgeliefert zu sein. Ein Blick aus den Fenstern oder auf die Außendecks verdeutlichte die Gewalt des Sturms. Die Gischt wurde meterhoch emporgeschleudert, und die Sichtweite sank im prasselnden Regen gegen Null. In diesen Momenten spürt man die enorme Stabilität und Kraft eines modernen Kreuzfahrtschiffes wie der AIDAluna, das trotz der widrigen Bedingungen sicher seinen Weg suchte.
Mittwoch, der 18.03.2026
Tag 4: Seetag
Den geplanten Seetag verbrachten wir hauptsächlich in unserer Kabine oder unten und draussen auf Deck 5 in einem Liegestuhl in Schiffsmitte , da wo es nicht so stark schwankt. War es nun der viele Alkohol oder der hohe Seegang, uns ging es den ganzen Tag nicht wirklich gut...es war bestimmt die Kombination aus Beidem!
Donnerstag, der 19.03.2026
Tag 5: Schwestern im Sturm
Geduldsprobe vor der Kaimauer
Nach einer unruhigen Nacht im Auge des Sturms erreichten wir gegen 07:00 Uhr die Küste von Fuerteventura. Doch wer glaubte, wir könnten sofort anlegen, irrte sich. Die Sicherheitsprotokolle im Hafen von Puerto del Rosario ließen keine Kompromisse zu. Wir mussten mit der Luna draußen auf Warteposition bleiben. Die gewaltige AIDAcosma, die ebenfalls vor dem Orkan Schutz gesucht hatte, war uns eine Nasenlänge voraus und beanspruchte zunächst die volle Aufmerksamkeit des Hafens. Wir beobachteten von unserer Position aus, wie der Gigant langsam und präzise in das Becken manövriert wurde. Es hieß Geduld beweisen: Wir mussten warten, bis die Cosma fest verzurrt und sicher an der Pier gemeldet war. Erst als das Lotsenboot nach getaner Arbeit an der Cosma wieder frei war, konnte es zu uns herauskommen, um uns sicher durch die aufgewühlte See an unseren Liegeplatz zu führen.
Ein Gigant als Nachbar: Das Treffen mit der AIDAcosma
Nachdem der Lotse uns schließlich sicher an unseren Platz geführt hatte, bot sich uns eine Szenerie, die wir so schnell nicht vergessen werden. Direkt gegenüber von uns thronte sie: Die AIDAcosma. Zwei Generationen der Flotte Seite an Seite – vereint durch die Flucht vor Orkan Therese.
Blick zurück: Impressionen der stürmischen Überfahrt
Bevor wir den Donnerstagmorgen im Hafen begannen, hielten wir noch einmal inne und blickten auf die unruhigen Stunden auf See zurück. Die Überfahrt von Marokko in Richtung Kanaren war geprägt von der rohen Gewalt des Ozeans. In der tiefschwarzen Nacht schnitt die Luna mit ihrer gewaltigen Kraft durch die aufgewühlte See. Wir hielten die Heckwelle fest – eine weiße, schäumende Spur, die sich wie eine leuchtende Narbe durch das dunkle, tobende Wasser zog. Es war ein faszinierender Anblick, der die enorme Energie des Schiffes gegen die Wellen verdeutlichte. Mit dem ersten Tageslicht bot sich uns ein graues, fast mystisches Panorama. Durch die regennassen Schiffsfenster beobachteten wir den Kampf der Elemente. Der Atlantik war eine einzige Fläche aus aufgepeitschtem Blei, während am Horizont die kargen, wolkenverhangenen Silhouetten der Inseln auftauchten. Die Kamera fing die bedrückende, aber dennoch majestätische Stimmung ein – ein kurzer Moment der Ruhe vor dem, was uns noch bevorstehen sollte. Trotz dieser beeindruckenden Bilder wussten wir: Das war nur der Vorgeschmack. Der eigentliche Orkan „Therese“ mit seiner zerstörerischen Windstärke 12 sollte uns erst in der kommenden Nacht im Hafen von Puerto del Rosario voll treffen.
Gefühl: Der Puls beruhigt sich. Der Vorbote letzte Nacht war heftig, doch die Sicherheit des Hafens und die Gesellschaft der Cosma lassen uns dem Orkan Therese in der kommenden Nacht gelassen entgegensehen.
Kaimauer-Kino: Festmanöver & Detailstudien
Nachdem wir unseren Liegeplatz erreicht hatten, begann ein beeindruckendes Schauspiel aus logistischer Präzision und technischer Größe. Von den Decks der Luna aus bot sich uns ein Logenplatz für das gesamte Hafengeschehen. Der erste Akt bestand aus der harten Arbeit der Festmacher. Trotz des böigen Windes standen die Männer in ihren leuchtenden Warnwesten an der Kante der Kaimauer bereit. Wir dokumentierten, wie zuerst die dünnen Vorläuferleinen gekonnt an Land befördert und dort aufgefangen wurden – ein Balanceakt direkt über der aufgewühlten See. Zur Unterstützung kam ein weißer Land Rover Defender des Hafenservice zum Einsatz, der half, die tonnenschweren Taue der Luna zu den massiven Pollern zu ziehen. Mit klaren Handzeichen signalisierten die Männer der Brücke schließlich, dass das Schiff sicher in den Klüsen lag. Sobald die Luna sicher verzurrt war, richteten wir unsere Objektive auf das Flaggschiff direkt gegenüber. Während wir an der Pier standen, wirkten die Dimensionen der AIDAcosma fast surreal. Wir fixierten den ikonischen Bug: Der Kussmund und das riesige, strahlende Auge wirkten durch die schiere Größe der Bordwand noch monumentaler. Jedes Detail der Bemalung war gestochen scharf zu erkennen. Ein Blick nach oben zur Brücke offenbarte die hochmoderne Kommandozentrale mit ihren tiefblauen Glasfronten. Dahinter erstreckten sich die endlosen Reihen der Balkonkabinen, die wie ein geometrisches Muster die massive Flanke des Schiffes zierten. Inmitten dieser Struktur leuchtete der markante silberne Schriftzug „AIDAcosma“.
Weiter oben am Heck dominierten die technischen Highlights: Der markante Schornstein mit dem bunten AIDA-Logo ragte in den wolkenverhangenen Himmel, direkt flankiert von den gewundenen Röhren der spektakulären Wasserrutschen. Schließlich fielen uns noch die leuchtend gelben Rettungsboote in ihren Davits auf, die einen starken Farbakzent zum Weiß der Bordwand setzten. Dieser detaillierte Blick auf unsere „Schwester“ ließ uns die Ingenieurskunst, die hinter diesen Giganten steckt, noch mehr bewundern.
Die Knochen der Tiefe: Kunst an der Uferpromenade
Nachdem wir die Gangway verlassen hatten, empfing uns Puerto del Rosario als eine faszinierende Galerie unter freiem Himmel. Die Stadt hat den Mut, Kunst rücksichtslos in den Alltag zu integrieren. Direkt an der Uferpromenade stießen wir auf ein monumentales Zeugnis der Meeresbiologie: Das riesige Skelett eines Wals. Auf verrosteten Stelen ruhend, wirkt es wie eine surreale Brücke zwischen dem Ozean und der Stadt. Die Kamera hielt die gewaltigen Wirbel und den imposanten Schädel fest, der fast über dem Fußweg zu schweben scheint. In einer besonderen Perspektive schien das Skelett die AIDAluna und die AIDAcosma im Hafen einzurahmen – ein spannender Kontrast zwischen organischer Naturgeschichte und moderner Ingenieurskunst. Doch die „Knochen“ waren nur der Anfang des „Parque Escultórico“. Überall begegneten uns beeindruckende Werke, die Geschichten von der See und der harten Arbeit erzählen. Die „Fuente de los Navegantes“ in einem Kreisverkehr zeigt eine Figurengruppe, die schwere Steinblöcke schleppt – ein Denkmal für die Menschen, die diesen Hafen aufgebaut haben. Nur wenige Schritte weiter hielten wir weitere Charaktere fest: Ein Fischer mit Hut, der unentwegt den Horizont scannt, und ein Seemann, der mit aller Kraft ein rostiges Boot an Land zieht. Auch eine moderne Statue eines Mannes, der mit der Hand über den Augen Ausschau hält, wurde von uns dokumentiert. Jede Skulptur fügt sich perfekt in die maritime Kulisse ein. Den Abschluss der Promenade bildet ein gewaltiger schwarzer Anker, dessen Gedenktafel an die tiefe Verbindung zwischen der Hafenbehörde von Las Palmas und dieser Insel erinnert.
Boxenstopp an Bord: Kulinarische Stärkung im sicheren Hafen
Nach den vielen visuellen Eindrücken in den Straßen und am Strand von Puerto del Rosario meldete sich der Hunger. Wir entschieden uns für eine kurze Rückkehr auf die Luna, um die Vorzüge unseres schwimmenden Hotels zu genießen. Schon der Weg über die Gangway löste ein vertrautes Gefühl aus: Das Schild „Willkommen zu Hause“ ist nach einem windigen Vormittag an Land mehr als nur eine Floskel – es ist Programm. An Bord angekommen, zog es uns zum Mittagessen in das Marktrestaurant. Hier erwartete uns eine ehrliche, herzhafte Stärkung, die genau richtig für das stürmische Wetter draußen war. Wir stellten uns eine bunte Mischung zusammen: zarte Penne-Pasta, saftiges Fleisch in dunkler Sauce und als gesunden Akzent perfekt gegarten Rosenkohl. Die Kamera hielt diesen Genussmoment fest – ein Bild, das die Bodenständigkeit und Qualität der Bordküche widerspiegelt. Den süßen Abschluss bildeten kleine Dessert-Variationen im Glas. Besonders die Mousse au Chocolat, verziert mit einem kleinen AIDA-Schokoladentäfelchen, war nicht nur optisch ein Highlight, sondern auch geschmacklich der perfekte Energielieferant für die zweite Tageshälfte. Auch die fruchtigen Schichtspeisen in Rot und Grün sorgten für einen farbenfrohen Akzent auf unserem Tisch. Abgerundet wurde unser Boxenstopp durch ein kühles Estrella Galicia. Wir stießen auf dem Außendeck auf unsere bisherigen „Expeditionserfolge“ an, während im Hintergrund das Panorama der Küste Fuerteventuras an uns vorbeizog. Selbst beim Entspannen in den Deckstühlen blieb die AIDAcosma unser ständiger Begleiter – durch das "Bullauge" eines Stahlpfostens bot sich uns eine fast schon künstlerisch eingerahmte Perspektive auf unsere Hafenschwester. Diese kurze Pause an Bord gab uns die nötige Kraft zurück. Wir genossen die Ruhe vor dem eigentlichen Orkan-Peak und das Privileg, jederzeit in unser „Bunker-Hauptquartier“ auf Deck 8 zurückkehren zu können, wenn der Wind draußen zu stark wurde.
Gefühl: Der Magen ist glücklich, der Kopf ist klar. Es gibt nichts Besseres als ein herzhaftes Mittagessen an Bord, während draußen der Atlantik seine Muskeln spielen lässt. Wir sind bereit für die Nacht, in der Therese uns alles abverlangen wird.
Türkis und Treibgut: Strandleben in der Hauptstadt
Unser Weg führte uns weiter zum Playa de los Pozos. Es ist faszinierend: Mitten in einer Hafenstadt findet man hier Wasserfarben, die man sonst nur in der Karibik vermutet. Das leuchtende Türkis bildete einen harten Kontrast zu den dunklen Schutzfelsen der Mole. Trotz der schweren Wolken am Himmel leuchtete das Wasser von innen heraus, während die Brandung weiße Schaumkronen gegen die Steine warf. Vom Strand und der Marina aus bot sich uns eine ganz neue Perspektive auf unsere „Hafenschwester“. Die AIDAcosma lag majestätisch an der Pier, ihre gewaltige Silhouette nahm fast den gesamten Horizont ein. Wir hielten diesen Moment fest, in dem die weichen Wellen des Atlantiks auf die stählerne Macht der Kreuzfahrtriesen trafen. In der Marina dümpelten derweil die kleinen, farbenfrohen Freizeitboote, die neben den weißen Bordwänden der AIDA-Flotte wie Spielzeuge wirkten. Die Kamera wanderte schließlich ganz nah an den Boden. Der Sand hier ist eine Schatztruhe der Natur. In Makro-Studien hielten wir den Boden fest, der übersät war mit Abertausenden von winzigen Muschelsplittern und Korallenstücken. Jede Welle spült neue, filigrane Kunstwerke an Land – ein stilles Zeugnis der Artenvielfalt des Atlantiks. Zum Abschluss des Landgangs schlenderten wir durch die ansteigenden Straßen der Stadt. Ein leuchtend blaues Gebäude stach aus der kubistischen Architektur hervor und bot einen tollen Hintergrund für das städtische Treiben. Ein rotes STOP-Schild markierte schließlich den Punkt der Umkehr. Bevor wir die Gangway mit dem Schild „Willkommen zu Hause“ wieder nach oben stiegen, warfen wir einen letzten Blick zurück auf die Schiffe – bereit, uns für den Peak von Orkan Therese in der kommenden Nacht in Sicherheit zu bringen.
Orkan-Nacht im Hafen: Die Festung auf Deck 8
Als der Abend hereinbrach, verfärbte sich der Himmel über Puerto del Rosario in dramatischen Violett- und Orangetönen. Ein letzter, fast magischer Blick auf die AIDAcosma an der gegenüberliegenden Pier verdeutlichte die Ruhe vor dem eigentlichen Sturm. Wir wussten: In dieser Nacht sollte Orkan „Therese“ mit Windstärke 12 seinen Höhepunkt erreichen.
Doch wir hatten unsere Entscheidung getroffen: Wir verzogen uns ins Schiffsinnere an die verschiedenen Bars und ließen das Wetter einfach Wetter sein. Während draußen die Naturgewalten tobten, herrschte drinnen eine fast trotzige Gemütlichkeit. Die AIDAluna war für diese Nacht kein Schiff mehr, sondern eine unbezwingbare Festung. Um den gewaltigen Windkräften standzuhalten, wurde unser Schiff mit 12 dicken Tauen sicher an der Kaimauer verzurrt. An den Bars genossen wir die Vorzüge unseres „Comfort Deluxe“-Pakets. Was soll ich sagen? Dank einer gewissen Menge an flüssigem „Sturmschutz“ in Form von exzellenten Drinks spürten wir von den tosenden Windstärken und dem Vibrieren der Bordwand so gut wie gar nichts. Der Alkohol wirkte wie ein willkommener Puffer gegen die Unruhe der Elemente. Als wir uns schließlich in unseren „Bunker“ in Kabine 8312 auf Deck 8 zurückzogen, erwartete uns dort die gewohnte, absolute Stille und Dunkelheit. Während Therese über Fuerteventura hinwegfegte, schliefen wir mal wieder prima und tiefenentspannt. Die Innenkabine erwies sich erneut als strategischer Volltreffer für eine ungestörte Nachtruhe unter Extrembedingungen.
Gefühl: In der Ruhe liegt die Kraft – und in der Bar die Gelassenheit. 12 Taue halten das Schiff, und die Innenkabine hält die Welt draußen. Orkan Therese hat uns nicht besiegt, sondern uns einen der besten Schlafmomente der Reise beschert.
Freitag 21.03.2026
Tag 6: Sonnenstunden im Ersatzhafen
Der Freitagmorgen präsentierte uns ein völlig verändertes Gesicht von Fuerteventura. Vom tobenden Orkan „Therese“ der letzten Nacht war keine Spur mehr zu sehen. Statt peitschendem Regen und Windstärke 12 erwartete uns ein strahlend blauer Himmel und eine Sonne, die den Hafen von Puerto del Rosario in gleißendes Licht tauchte. Zwar war es ein kleiner Wermutstropfen, dass die geplante Fahrt nach La Gomera durch die Wetterkapriolen buchstäblich „ins Wasser gefallen“ war, doch wir machten das Beste daraus: Ein zweiter Landgang stand an, diesmal mit dem Ziel, die Küste in der entgegengesetzten Richtung zu erkunden.
Industrielle Geometrie: Das Container-Terminal
Unser Weg führte uns zunächst vorbei an den funktionalen Bereichen des Hafens. Wo nachts noch die Wellen gegen die Mole drückten, dominierten nun klare Linien und kräftige Farben. Die Kamera fixierte die riesigen, blauen Verladekräne, die sich wie stählerne Skelette gegen das makellose Azur des Himmels abhoben. Besonders faszinierend war das Labyrinth aus Containern. In langen Reihen aufgeschichtet, bildeten die blauen und roten Metallboxen (Marken wie Alisios und tex) ein fast künstlerisches, geometrisches Muster. Dieses Zusammenspiel aus industrieller Härte und dem weichen Licht des Vormittags bot uns ganz neue, grafische Fotomotive abseits der klassischen Urlaubsidyllen.
Küsten-Kuriositäten & Weiße Architektur
Weiter entlang der Küstenlinie entdeckten wir die stilleren Ecken der Stadt. Ein rotes Verbotsschild, das Hunde am Strand untersagte, bildete vor der Kulisse des tiefblauen Ozeans einen humorvollen, fast surrealen Kontrast. Es sind diese kleinen Details, die unsere Dokumentation lebendig machen. Die Architektur in diesem Teil von Puerto del Rosario war geprägt von strahlendem Weiß und traditionellen Steinmetzarbeiten. Wir hielten Gebäude fest, deren Mauern mit dunklen Vulkansteinen durchsetzt waren – ein typisches Designelement der Insel. Ein kleiner weißer Turm mit Rundbögen erinnerte an die historische Bedeutung der Küstenbefestigung, während im Hintergrund das moderne Leben seinen Lauf nahm. Ein besonderes Highlight war ein kreisrundes, gemauertes Becken direkt am Meer. Wie ein natürliches Amphitheater aus Naturstein lag es am Ufer, die glitzernde Wasseroberfläche reflektierte das Sonnenlicht in tausend Facetten. Ein perfekter Ort, um kurz innezuhalten und die frische, nun friedliche Meeresluft zu genießen.
Surfer-Vibe und Stadtleben
Wir ließen den Hafen hinter uns und tauchten in die Gassen ein. Puerto del Rosario zeigte uns heute seine entspannte Seite. An einer Straßenecke stießen wir auf den „Northbay Surf Shop“. Die mit unzähligen Stickern übersäte Fassade und die wehenden Flaggen versprühten sofort den typischen kanarischen „Way of Life“. Es ist dieser Mix aus harter Arbeit im Hafen und der totalen Gelassenheit der Surfer-Community, der den Charakter dieser Insel ausmacht. Beim Blick durch die schmalen Straßenfluchten bot sich uns immer wieder das gleiche, beruhigende Bild: Am Ende der Gasse leuchtete das Blau des Atlantiks. In einer dieser Straßen parkten die Autos ordentlich aufgereiht, während im Hintergrund die AIDAluna majestätisch an der Pier lag – ein ständiger Ankerpunkt unserer Reise, der aus jeder Perspektive eine gute Figur machte.
Weißes Erbe am Atlantik: Die Hornos de Cal
Nach der Mittagspause zog es uns wieder hinaus an die Küste. Wir folgten dem Paseo Marítimo in Richtung Süden, wo Puerto del Rosario seine industrielle Geschichte in einer fast sakralen Schönheit präsentiert. Ein absolutes Highlight dieser Etappe waren die Hornos de Cal. Diese historischen Kalköfen ragen wie schneeweiße Festungstürme in den makellosen azurblauen Himmel. Ihre schlichte, kubistische Architektur ist ein Traum für jeden Fotografen. Wir nutzten die harten Kontraste der Nachmittagssonne, um die klaren Kanten der weißen Türme gegen das tiefe Blau des Atlantiks zu isolieren. Besonders die kleinen Details, wie die blau gestrichenen Holztüren und Fensterläden, setzten malerische Farbakzente in der sonst so strengen weißen Fassade. Die restaurierte Anlage zeigt eindrucksvoll, wie hier einst der für die Insel so wichtige Kalk gebrannt wurde. Die mächtigen Schornsteine und die alten Schienen für die Loren, die das Material transportierten, sind stumme Zeugen einer harten industriellen Vergangenheit, die heute so friedlich und ästhetisch in der Sonne liegt. Auf dem Rückweg zum Hafen bot sich uns erneut dieses ikonische Bild, das den Tag perfekt zusammenfasst. Die schmale Straße führt geradewegs auf das Hafenbecken zu. Im Vordergrund mahnt ein rotes STOP-Schild zur Aufmerksamkeit, während im Hintergrund die gewaltige, weiße Bordwand der AIDAluna über die Dächer der Stadt ragt. Es ist die perfekte visuelle Metapher für den Abschluss unseres Landgangs: Ein kurzer Moment des Innehaltens an Land, bevor uns die Luna wieder in ihre Sicherheit aufnimmt.
Gefühl: Die Sonne hat den letzten Rest Orkan-Stimmung weggebrannt. Fuerteventura war mehr als nur ein Ersatz – es war eine Entdeckung von industrieller Ästhetik und maritimer Stille. Wir haben die Kalköfen im Kasten und die Wärme der Insel im Herzen. Jetzt heißt es: Alle Mann an Bord für den nächsten Abschnitt unserer Mission.
Goldener Abschied: Hafenlogistik im Abendrot
Punkt 18:00 Uhr änderte sich die Szenerie im Hafen von Puerto del Rosario grundlegend. Nachdem der Hafen aufgrund der Nachwirkungen von Orkan Therese für den regulären Schiffsverkehr gesperrt war, kam nun das offizielle Signal: Der Hafen ist für den Schiffsverkehr wieder geöffnet. An Bord der Luna herrschte sofort geschäftiges Treiben. Während die Crew die Leinen für unser eigenes Ablegemanöver vorbereitete, bot uns das Hafenbecken noch ein letztes logistisches Schauspiel. Direkt vor uns war ein schwergewichtiger Kollege an der Reihe. Das Frachtschiff „Bahía Cargo“ der Reederei Fred. Olsen Cargo Express löste seine Verbindungen zum Land. Wir beobachteten von den oberen Decks aus die Präzisionsarbeit: Der kraftvolle Schlepper „VB Mencey“ ging längsseits, um den blauen Giganten sicher aus dem engen Becken zu manövrieren. In diesem Moment gelang uns ein absoluter fotografischer Glückstreffer: Ein Flugzeug glitt im Landeanflug durch den leuchtenden Abendhimmel. Ein flüchtiger, fast magischer Moment der modernen Mobilität vor der zeitlosen Kulisse des Atlantiks.
Nachtzauber im Hafen: Lichterglanz und Bord-Romantik
Mit dem Verschwinden der Sonne verwandelte sich Puerto del Rosario in ein funkelndes Lichtermeer. Während die AIDAluna sich langsam auf den Weg machte oder noch die letzten Vorbereitungen traf, nutzten wir die Dunkelheit für eine ganz besondere Fotomission an Bord. Wenn die Tageshektik verfliegt, offenbart das Schiff seine architektonische Schönheit durch eine perfekt inszenierte Beleuchtung. Ein ständiger Begleiter im Hafenbecken war weiterhin der Schlepper „VB Mencey“. In der Dunkelheit wirkte das kleine Kraftpaket mit seinen hellen Arbeitsscheinwerfern wie ein einsamer Wächter auf dem tiefblauen Wasser. Die Spiegelungen der Hafenlichter tanzten auf den sanften Wellen und gaben der Szenerie eine fast schon filmreife Atmosphäre. Der Blick zurück auf Puerto del Rosario war atemberaubend. Die Stadtlichter zogen sich wie eine glitzernde Perlenkette entlang der Küste, während die dunklen Silhouetten der Vulkankegel im Hintergrund über allem wachten. Vom Oberdeck der Luna aus hatten wir die perfekte Logenposition, um dieses Panorama in aller Ruhe zu genießen. Doch auch das Schiff selbst wurde zum Hauptdarsteller. Die geschwungenen Wege auf den oberen Decks, die mit sattgrünem Kunstrasen ausgelegt sind, wurden durch warmweiße Bodenstrahler in Szene gesetzt. Besonders beeindruckend war der Blick auf das markante AIDA-Logo am Schornstein, das strahlend hell in die Nacht leuchtete – ein Symbol für Sicherheit und Geborgenheit in der unendlichen Weite des Meeres. Auf dem Pooldeck herrschte eine entspannte, fast schon meditative Stimmung. Die Whirlpools dampften im kühlen Nachtwind und wurden von unten in weichem Blau beleuchtet. Die große LED-Leinwand strahlte in intensivem Violett und Blau über die leeren Sonnenliegen hinweg. Es war dieser seltene Moment der Stille, in dem man die enorme Größe und gleichzeitig die Detailverliebt dieses Ozeanriesen wirklich begreifen konnte.
Gefühl: Die Nacht hüllt alles in Seide. Zwischen dem Lichtermeer der Stadt und dem vertrauten Glanz an Bord finden wir die perfekte Balance. Die Mission Fuerteventura ist abgeschlossen – mit Bildern, die mehr sagen als tausend Worte.
Samstag, der 22.03.2026
Tag 7: Härtetest auf dem Weg nach Santa Cruz
Die Nacht der schwingenden Haken
Die Überfahrt von Fuerteventura wurde zur echten Geduldsprobe. Sobald wir den Windschatten der Insel verließen und in die Meerenge zwischen Fuerteventura und Lanzarote (Estrecho de la Bocaina) einliefen, traf uns die See mit voller Wucht. Wie durch eine Düse gepresst, peitschte der Wind gegen die Luna. In unserer Kabine auf Deck 8 wurden die magnetischen Wandhaken zum Metronom des Sturms: Alles schaukelte unaufhörlich von links nach rechts – und wir in unseren Kojen synchron mit! Ein absurdes Bild, das uns trotz der unruhigen Nacht ein herzhaftes Lachen abverlangte.
Das blaue Wunder: Einlauf am Limit
Als der Morgen graute, bot sich uns ein Anblick wie aus einem Endzeit-Thriller. Teneriffa empfing uns in ein tiefes, bedrohliches Blau getaucht. Schwere Wolkenberge hingen so tief, dass sie die Gipfel des Anaga-Gebirges komplett verschluckten. Die Einlaufgenehmigung hing am seidenen Faden; die Hafenbehörden zögerten wegen der heftigen Böen. Doch mit chirurgischer Präzision manövrierte die Crew die Luna schließlich an die Pier.
Das Wetter-Wunder: Frühlingssonne in Santa Cruz
Nach dem dramatischen Empfang am Morgen geschah das, was wir nach den Nachrichten über tropenartige Regenfälle im Süden kaum zu hoffen gewagt hatten: Das Wetter in Santa Cruz drehte komplett. Die bedrohliche Wolkendecke riss auf, die dunklen Blautöne wichen einem strahlenden Azur, und die Sonne übernahm das Kommando. Innerhalb kürzester Zeit kletterte das Thermometer auf über +20°C. Während im Süden der Insel noch das Chaos herrschte und sämtliche organisierten Ausflüge sowie die öffentlichen Parks aufgrund der Orkan-Ausläufer geschlossen blieben, genossen wir in der Hauptstadt „Sonne satt“. Unsere Entscheidung, keinen festen Ausflug zu buchen, erwies sich als taktischer Geniestreich.
Teneriffa von oben: Logenplatz über Santa Cruz
Bevor wir den festen Boden unter den Füßen suchten, nutzten wir die Gunst der Stunde. Die Sonne strahlte nun so intensiv, dass wir uns entschieden, noch etwas oben an Bord der AIDAluna zu bleiben. Von den oberen Decks bot sich uns ein unvergleichlicher Panoramablick auf Santa Cruz de Tenerife, der nach dem düsteren Morgen fast surreal wirkte.
Die Stadt breitete sich unter uns aus, eingerahmt von der mächtigen Bergkulisse des Anaga-Gebirges. Besonders markant im Hafenbecken war ein huckepack beladener Bohrinsel-Transporter, der wie ein technisches Monument im Wasser lag. Wir genossen die Wärme auf dem Pooldeck, wo die gelben Liegen nun in der Sonne um die Wette leuchteten. Es war der perfekte Moment, um die Seele baumeln zu lassen und die Kamera auf das „Kaiserwetter“ einzustellen. Von unserem Logenplatz an der Reling hatten wir bereits jetzt einen perfekten Blick auf die architektonischen Highlights der Stadt. Das Auditorio de Tenerife "Adán Martín" blitzte in der Ferne strahlend weiß auf. Seine futuristische, geschwungene Form, die an eine riesige Welle oder ein Segel erinnert, hob sich messerscharf gegen das tiefe Blau des Atlantiks ab. Aus dieser erhöhten Perspektive konnten wir die kühnen Linien von Santiago Calatrava erst so richtig begreifen. Direkt neben der modernen Welle entdeckten wir einen faszinierenden historischen Kontrast: das Castillo de San Juan Bautista. Die kleine, kreisförmige Festung aus dunklem Vulkanstein wirkte von hier oben wie ein stummer, wehrhafter Wächter der Vergangenheit, der den modernen Betonkurven trotzt. Der Blick auf das „Schwarze Fort“ im harten Sonnenlicht, mit der Stadt und den Palmen im Hintergrund, bot ein grafisch meisterhaftes Motiv. Wir ließen uns Zeit, schlenderten über die verschiedenen Decks und hielten diese friedliche Szenerie fest. Wer hätte gedacht, dass wir nach dieser stürmischen Nacht noch einmal so entspannt den Ausblick von oben genießen würden? Der palmenbestandene Weg an der Küste rief zwar schon, aber die Perspektive von der Luna aus war einfach zu gut, um sie vorschnell zu verlassen.
Gefühl: Wir haben den ultimativen Überblick. Santa Cruz liegt uns zu Füßen, und die Kamera fängt jedes Detail dieses architektonischen Paukenschlags ein. Der Spaziergang am Meer kann warten – dieser Moment hier oben ist pures Urlaubsglück.
Landgang Santa Cruz: Die Luna im Spiegelglanz
Nachdem wir die Aussicht von oben genossen hatten, war es Zeit für den ersten Landgang auf Teneriffa. Wir verließen die AIDAluna über die Gangway und betraten den sonnenüberfluteten Kai von Santa Cruz. Der Kontrast zum bedrohlichen Blau des frühen Morgens hätte nicht größer sein können: Ein strahlend azurblauer Himmel und gleißendes Sonnenlicht setzten unser Schiff perfekt in Szene. An der Pier bot sich uns ein Anblick, der das Herz jedes Fotografen höherschlagen lässt. Die Luna lag majestätisch an der Kaimauer, ihr strahlend weißer Rumpf leuchtete in der Sonne und der ikonische Kussmund wirkte vor der Bergkulisse Teneriffas besonders lebendig. Jedes Detail der Schiffsarchitektur wurde vom harten Licht der Kanaren scharfgezeichnet.
Doch das absolute Highlight dieses Vormittags wartete am Boden auf uns. Die heftigen Regenfälle der Nacht hatten eine große Pfütze auf dem Asphalt der Pier hinterlassen. In der Windstille des Hafens wirkte sie wie ein perfekter, natürlicher Spiegel. Wir nutzten diesen Glücksfall sofort und positionierten die Kamera ganz tief über der Wasseroberfläche, um dieses optische Phänomen festzuhalten. Dieses Bild ist einfach AMAZING! Die Symmetrie zwischen dem realen Schiff und seiner glasklaren Reflexion im Wasser, gepaart mit dem tiefen Azur des Himmels, macht diese Aufnahme zu einem der absoluten Lieblingsmotive unserer Reise. Es ist einer dieser seltenen Momente, in denen ein Überbleibsel des Unwetters – eine einfache Regenpfütze – zum wichtigsten Werkzeug für ein meisterhaftes Foto wird.
Gefühl: Ein überwältigender Moment der Klarheit. Die Luna in diesem Spiegelglanz zu sehen, lässt die Strapazen der Nacht endgültig in den Hintergrund rücken. Wir stehen auf festem Boden, die Sonne brennt auf der Haut und wir haben Aufnahmen im Kasten, die die ganze Eleganz unseres Schiffes einfangen.
Hafen-Flanieren: Zwischen Kunst und Ozeanriesen
Nachdem wir unsere Luna ausgiebig im Spiegelglanz dokumentiert hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg in Richtung Stadtzentrum. Der Weg entlang der Kaimauer und der Hafenpromenade entpuppte sich als eine einzige Motiv-Jagd. Santa Cruz präsentiert sich hier wie eine moderne Outdoor-Galerie. Überall am Wegesrand stießen wir auf faszinierende Skulpturen und Kunstobjekte, die einen spannenden Kontrast zur industriellen Hafenlogistik bilden. Besonders beeindruckend war eine hohe Stele aus Steinquadern, die wie ein futuristischer Finger in den Himmel ragt, während im Hintergrund die Luna an der Pier liegt. Auch eine filigrane Metall-Skulptur, die an eine im Wind tanzende Qualle erinnert, fing das maritime Flair perfekt ein. Während wir weiter schlenderten, warfen wir auch einen Blick auf die „Nachbarschaft“. Der Hafen war heute gut besucht: Die gewaltige Mein Schiff 7 lag in ihrer dunkelblauen Eleganz an der Kaimauer, und auch die Azura von P&O Cruises zeigte mit ihrer riesigen Union-Jack-Bemalung am Bug Flagge. Es ist immer wieder faszinierend, diese unterschiedlichen Schiffsarchitekturen im direkten Vergleich zu sehen – jede hat ihren ganz eigenen Charakter. Überall gab es kleine Details zu entdecken: Warnschilder, die vor dem „Suelo Resbaladizo“ (rutschigem Boden) warnten – eine nette Erinnerung an die morgendlichen Regengüsse –, oder die rote Lotsenstation am Ende einer Mole, die sich knallig gegen das türkis leuchtende Wasser abhob. Die Stadt im Hintergrund, eingerahmt von den grünen, wolkenverhangenen Bergen, bildete dazu die perfekte, dramatische Kulisse.
Das Herz der Stadt: Plaza de España & Monumental-Ästhetik
Der Spaziergang führte uns schließlich zum pulsierenden Mittelpunkt von Santa Cruz: der Plaza de España. Nach der stürmischen Nacht und dem grauen Morgen wirkte dieser Ort im strahlenden Sonnenschein fast schon wie eine Postkarte. Das erste, was ins Auge sticht, ist das ikonische Santa Cruz Logo – ein großes, weißes Schild mit einem grün-blauen Herzen, das ein beliebtes Fotomotiv für jeden Besucher ist. Dahinter erstreckt sich der riesige, künstliche See, dessen flaches Wasser in der Sonne glitzert und die Silhouette der umliegenden Berge und Schiffe im Hafen widerspiegelt. Die Architektur an der Plaza ist ein faszinierender Mix aus Moderne und Historie. Ein echtes Highlight ist das mit Blumen und Pflanzen bewachsene Dach der Touristeninformation, das wie ein grüner Hügel aus dem Boden wächst. Ein starker Kontrast dazu ist das monumentale „Monumento a los Caídos“. Die gewaltigen Steinsäulen und die dramatischen Skulpturen – wie der Krieger mit dem Schwert oder die geflügelte Siegesgöttin – wirken in dem harten, klaren Licht Teneriffas besonders plastisch und ausdrucksstark.
Aber auch die moderne Kunst kommt hier nicht zu kurz. Wir entdeckten eine filigrane Metallskulptur, die wie ein silberner Baum aus Buchstaben und Worten in den Himmel ragt – ein wunderbares Beispiel für die kreative Energie, die man überall in der Stadt spüren kann. Bevor wir tiefer in die Einkaufsstraßen eintauchten, fiel unser Blick noch auf einen bunten Kiosk, der die berühmten „Twin Tickets“ für den Loro Parque und den Siam Park bewarb. Ein kleiner Reminder daran, dass Teneriffa noch so viel mehr zu bieten hat – aber für heute war unser Ziel die reine Erkundung der Hauptstadt-Atmosphäre zu Fuß.
Gefühl: Die Plaza de España ist das perfekte Wohnzimmer unter freiem Himmel. Zwischen monumentaler Geschichte und moderner Leichtigkeit spürt man hier den echten Vibe von Santa Cruz. Die Sonne wärmt, die Kameras glühen – das ist genau die Entschädigung, die wir nach der unruhigen Nacht gebraucht haben.
Gassenzauber: Ein Blick in das urbane Santa Cruz
Hinter der weiten Plaza de España verengt sich die Stadt und offenbart ihren ganz eigenen, charmanten Rhythmus. Wir ließen den Trubel des Platzes hinter uns und tauchten ein in das Geflecht aus Einkaufsstraßen und schmalen Gassen. Hier zeigt Santa Cruz sein wahres Gesicht: Ein harmonisches Miteinander von moderner Urbanität und historischem Erbe.
In den breiteren Fußgängerzonen, gesäumt von Palmen und prächtigen Fassaden, pulsiert das Leben. Die Sonne stand nun hoch genug, um die Straßen in gleißendes Licht zu tauchen, während wir gemütlich an den Schaufenstern von exklusiven Boutiquen und großen Markenhäusern vorbeischlenderten. Doch der wahre Reiz lag in den schmalen Nebenwegen. Diese Gassen wirken wie kühle Schluchten, in denen das harte Sonnenlicht dramatische Schatten wirft. Hier treffen glatte, moderne Glasfronten auf raue Steinmauern und traditionelle Balkone. Es ist ein Fest für das Auge, wie sich die Architektur in diesen engen Perspektiven staffelt. Besonders fasziniert haben uns die tiefen Fluchten durch die kopfsteingepflasterten Wege. Manchmal scheint am Ende einer Gasse ein historisches Gebäude auf oder der Blick öffnet sich plötzlich wieder zum blauen Himmel. Diese Momente der Ruhe abseits der Hauptwege fangen die Seele der Stadt perfekt ein. Überall gibt es kleine Details zu entdecken – von kunstvollen Werbeschildern bis hin zu den Texturen des alten Pflasters, das nach den Regenfällen des Morgens nun in der Sonne glänzte.
Gefühl: Wir lassen uns einfach treiben. Jede Ecke bietet eine neue Perspektive, jedes Fenster scheint eine Geschichte zu erzählen. In diesen Gassen haben wir die authentische Seite von Santa Cruz gefunden – ein urbanes Labyrinth, in dem man sich gerne verliert und den Alltag endgültig vergisst.
La Recova: Farbenpracht und Marktkultur
Unser Spaziergang durch die verwinkelten Gassen führte uns schließlich zu einem Ort, der alle Sinne gleichzeitig anspricht: dem Mercado de Nuestra Señora de África, von den Einheimischen liebevoll „La Recova“ genannt. Schon der imposante Eingangsbogen mit dem Stadtwappen empfängt die Besucher mit einer Mischung aus kolonialem Charme und geschäftigem Markttreiben. Bevor wir ins Innere eintauchten, hielten wir vor den ausdrucksstarken Bronzestatuen auf dem Vorplatz inne. Diese Monumente sind eine Hommage an die Menschen der Insel: Fischer, die Boote ziehen, und Marktfrauen, die stolz ihre Körbe tragen. Es ist die perfekte Einstimmung auf das, was uns im Inneren erwartete.
Kulinarische Entdeckungsreise: Das Schlaraffenland der Recova
Kaum hatten wir die Schwelle zum eigentlichen Marktbereich überschritten, befanden wir uns in einer Welt voller Aromen und Farben. Es ist kein Vergleich zu einem gewöhnlichen Supermarkt – hier atmet jede Ecke Tradition und Leidenschaft für gute Lebensmittel. Zuerst stießen wir auf einen Laden, der das Herz jedes Genießers höher schlagen lässt: Eine spezialisierte Bier- und Weinhandlung. Die Regale waren bis unter die Decke gefüllt mit hunderten Flaschen – von lokalem kanarischem Craft-Bier bis hin zu edlen Tropfen vom Festland. Die Ordnung und die schiere Auswahl waren so beeindruckend, dass wir einen Moment innehalten mussten, um dieses „flüssige Gold“ zu dokumentieren. Dann erreichten wir die Obst- und Gemüsestände, und es fühlte sich an, als hätten wir den Farbregler unserer Kamera auf Maximum gedreht. Riesige Stauden der berühmten, kleinen kanarischen Bananen hingen von der Decke. Daneben stapelten sich Ananas, Papayas, Melonen und exotische Früchte, von denen wir manche noch nie gesehen hatten. Die Frische war förmlich greifbar, und der Duft von reifen Mangos lag schwer in der Luft. Besonders fasziniert haben uns die Stände mit den Grundnahrungsmitteln der Insel. Berge von Kartoffeln – die Basis für die legendären „Papas Arrugadas“ – und riesige Netze mit Zwiebeln waren akkurat auf Holzkisten aufgetürmt. Es ist beeindruckend, mit welcher Liebe zum Detail die Händler ihre Waren präsentieren. Überall herrschte ein freundliches Murmeln, während die Einheimischen ihren täglichen Einkauf erledigten. Inmitten dieses Trubels entdeckten wir immer wieder neue Details: von knallroten Tomaten bis hin zu tiefgrünen Kräutern und glänzenden Auberginen. Wir ließen uns von der Energie der Markthalle treiben und nutzten das weiche, durch die Bögen fallende Tageslicht für einige unserer bisher besten Schnappschüsse.
Gefühl: Das ist das echte Teneriffa! Fernab von den touristischen Pfaden haben wir hier die Seele der Insel gefunden – in den Farben der Früchte, im Lächeln der Händler und in der Qualität der Produkte. Unser Rucksack ist zwar noch leicht, aber unsere Kameras sind voll mit der puren Lebenslust der Kanaren.
In den Tiefen der Recova: Das maritime Herz
Nachdem wir die Farbenpracht des oberen Stockwerks mit seinen Blumen und Früchten aufgesaugt hatten, führte uns unser Weg buchstäblich eine Ebene tiefer. Über Treppen gelangten wir in das Souterrain der Markthalle – den Bereich, der ganz den Schätzen des Ozeans gewidmet ist. Hier änderte sich die Atmosphäre schlagartig: Die Luft wurde kühler, es roch nach Salz und frischem Fisch, und das warme Licht der oberen Etage wich einer hellen, sauberen Markt-Ästhetik. Was uns hier erwartete, war ein wahres Spektakel für jeden Meeresfrüchte-Liebhaber. An den langen, blitzsauberen Tresen der Fischhändler – oft mit traditionellen blau-weißen Kacheln verziert – lag die Ausbeute der Nacht auf Bergen von zerstoßenem Eis. Die Vielfalt war schier überwältigend. Besonders beeindruckend war die Fachkunde der Händler. Wir beobachteten, wie ein riesiger Zackenbarsch (Mero) direkt an der Frontseite eines Standes präsentiert wurde – ein echtes Prachtexemplar, dessen schimmernde Schuppen im Licht glänzten. Daneben reihten sich Seebrassen, Lachsforellen und unzählige kleinere Fischarten wie Sardinen und Boquerones, die akkurat in grünen Kisten sortiert waren. Ein Stück weiter tauchten wir in die Welt der Schalentiere ein. Am Stand von „Saborimares Seafood“ leuchteten uns tiefrote Riesengarnelen und Gambas entgegen, die wie Juwelen auf dem Eis arrangiert waren. Auch frische Austern und verschiedene Muschelsorten gehörten zum Sortiment. Es ist faszinierend zu sehen, wie hier jeder Handgriff sitzt – vom Wiegen der Ware auf den alten mechanischen oder modernen Digitalwaagen bis hin zum fachgerechten Filetieren direkt vor den Augen der Kunden. Die Szenerie wirkte unglaublich authentisch. Hier kaufen nicht nur die Köche der lokalen Restaurants ein, sondern auch die Bewohner von Santa Cruz, die Wert auf höchste Qualität legen. Das geschäftige Treiben, das Klappern der Eisschaufeln und die Verkaufsgespräche auf Spanisch bildeten eine Klangkulisse, die uns tief in das echte Inselleben eintauchen ließ.
Gefühl: Die Frische sind hier fast schon eine Provokation für die Sinne. Nachdem wir morgens noch gegen die Wellen des Atlantiks gekämpft haben, sehen wir hier, was dieser Ozean an Reichtümern bereithält. In diesen kühlen Gängen haben wir das kulinarische Fundament Teneriffas gefunden.
Urbaner Puls: Von der Recova zur modernen Skyline
Nachdem wir die kühlen Hallen des Fischmarktes verlassen hatten, sog uns das urbane Leben von Santa Cruz wieder auf. Wir schlenderten durch Straßen, in denen der Puls der Hauptstadt spürbar war. Vorbei an typisch kanarischen Cafeterien wie der „San Miguel“, wo die Einheimischen im Schatten der Bäume ihren Espresso genossen, führte uns der Weg in Richtung des modernen Geschäftszentrums. Die Architektur änderte sich schlagartig. Die schmalen Gassen wichen weiten Alleen und modernen Fassaden. Besonders beeindruckend war das gewaltige Gebäude von El Corte Inglés, das mit seiner klaren Linienführung und den davor aufragenden, majestätischen Palmen ein mondänes Flair versprühte. Die Sonne stand nun hoch am Himmel und betonte die harten Schatten und die satten Farben der Stadt. Unser Marsch führte uns weiter in Richtung Küste, vorbei am Busbahnhof (Intercambiador). Hier änderte sich die Kulisse erneut und wir standen vor der imposanten Skyline der Moderne. Die beiden Torres de Santa Cruz, die höchsten Wolkenkratzer der Stadt, ragten wie zwei gläserne Wächter in das tiefe Blau des Himmels. Direkt davor entdeckten wir das weiße, geometrische Monumento a la Constitución, dessen abstrakte Formen in der Mittagssonne fast schon blendeten. Schließlich erreichten wir wieder die Uferpromenade und näherten uns dem Auditorio aus einer neuen Perspektive. Hier stießen wir erneut auf das Castillo de San Juan Bautista. Aus dieser Perspektive, direkt am Wasser stehend, wirkte die dunkle Festung noch massiver. Der Kontrast zwischen dem alten Lavastein der Burg, den modernen Hochhäusern im Hintergrund und den schäumenden Wellen des Atlantiks ist schlichtweg faszinierend. Es ist dieser Mix aus wehrhafter Geschichte und futuristischer Vision, der Santa Cruz so einzigartig macht.
Gefühl: Ein faszinierender Marsch durch die Epochen. Wir spüren die Wärme des Asphalts und die frische Brise vom Meer. Santa Cruz hat uns mit seiner Vielseitigkeit komplett überzeugt – vom wuseligen Markt bis zur architektonischen Eleganz der Skyline. Die Speicherkarte füllt sich mit Motiven, die den Geist dieser Insel perfekt einfangen.
Die weiße Welle: Das Auditorio im Fokus
Dann standen wir endlich direkt davor: Das Auditorio de Tenerife "Adán Martín". Dieses visionäre Bauwerk von Santiago Calatrava ist mehr als nur ein Konzerthaus – es ist die skulpturale Seele der Insel. In der gleißenden Mittagssonne wirkte der weiße Beton fast schon überirdisch hell gegen das tiefe Azur des Himmels. Wir begannen unsere fotografische Annäherung. Besonders spektakulär ist die Perspektive von der Meeresseite aus. Hier peitschen die Wellen des Atlantiks gegen die Lavasteine der Uferbefestigung, während sich dahinter die kühne Kurve des Auditorios wie eine erstarrte Welle in die Luft erhebt. Die Dynamik zwischen der ungezähmten Natur des Ozeans und der präzisen Linienführung der Architektur ist ein Motiv, das wir minutenlang fixierten. Wir wanderten um das Gebäude herum und entdeckten immer neue, abstrakte Blickwinkel. Ein Blick direkt nach oben zur Spitze des gewaltigen „Flügels“ (der Ala), wobei die Sonne genau hinter der Betonkante hervorblitzte, erzeugte einen grandiosen Lens-Flare-Effekt. Die glatte Oberfläche des Bauwerks wird hier zur Leinwand für Licht und Schatten.
Auch der Kontrast zur Geschichte blieb ein zentrales Thema. Wenn man das Auditorio durch die wehrhaften Zinnen des benachbarten Castillo de San Juan Bautista betrachtet, prallen Jahrhunderte aufeinander. Der tiefschwarze Lavastein der Festung bildet den perfekten Rahmen für die futuristische, schneeweiße Silhouette des Auditorios. Es ist ein Spiel mit Texturen und Epochen, das unsere Speicherkarten zum Glühen brachte. Wir nutzten die Flora der Insel für weitere spannende Bildkompositionen. Mal bildete ein mächtiger Kaktus den grünen, stacheligen Vordergrund für die weichen Kurven der Oper, mal ließen wir den Blick über moderne Skulpturen und gepflegte Palmenanlagen schweifen. Die Weitläufigkeit des Platzes rund um das Gebäude unterstreicht seine monumentale Wirkung.
Gefühl: Absolute architektonische Ekstase. Dieses Licht, diese Kurven – Calatrava hat hier einen Ort geschaffen, der die Kamera magisch anzieht. Wir spüren die Gischt auf der Haut und die Hitze des weißen Betons. Das Auditorio war das erklärte Ziel unseres Marsches und hat jede Erwartung übertroffen. Ein Finale für die Augen, bevor wir uns langsam wieder in Richtung Hafen orientieren.
Rückzug zur Luna: Das Ziel im Visier
Wir waren durch mit unserem ersten großen Fußmarsch durch Santa Cruz. Die Stadt hat uns mit einer unglaublichen Vielfalt empfangen, doch nach den vielen Kilometern auf dem Asphalt und den unzähligen Eindrücken machten wir uns nun zügig auf den Rückweg zum Schiff. Auf dem Weg passierten wir noch einmal einige architektonische Zeitzeugen, wie den markanten Glockenturm der Iglesia de la Concepción, der sich zwischen den grünen Bäumen in den Himmel streckte, und die weiten Flächen der Plaza de España, deren helle Monumente im grellen Mittagslicht fast schon blendeten. Die Beine wurden schwerer, aber die Motivation war groß: Wir freuten uns bereits auf den ersten kühlen Gerstensaft an Bord. Das Schiff im Hafenbecken vor Augen, legten wir die letzten Meter im Eiltempo zurück. Wieder „zuhause“ auf der Luna zu sein, die Gangway hochzugehen und das erste eiskalte Kaltgetränk des Nachmittags zu genießen, war der perfekte Abschluss für diese erste Etappe auf Teneriffa.
Gefühl: Erschöpft, aber vollgepumpt mit grandiosen Motiven. Der „Durstfaktor“ nach diesem Kaiserwetter ist hoch, die Zufriedenheit über die Ausbeute noch höher. Jetzt heißt es: Füße hoch und die Luna im Nachmittagslicht genießen.
Letzter Gruß vor dem Boarding: Unsere Luna im vollen Glanz
Bevor wir endgültig die Gangway betraten und das feste Land gegen die Planken der Luna tauschten, hielten wir noch einmal kurz inne. Die Sonne stand mittlerweile so perfekt, dass sie den gesamten Bugbereich in ein warmes, brillantes Licht tauchte. Wir konnten nicht widerstehen und schossen noch ein weiteres Bugbild unserer tollen Luna. In dieser Perspektive wirkt das Schiff besonders dynamisch und stolz – fast so, als würde es selbst die warme kanarische Sonne genießen, bevor die Reise heute Abend weitergeht. Das Auge und der Kussmund leuchten förmlich gegen das Blau des Himmels und die schroffen Bergflanken im Hintergrund. Ein Motiv, das die Eleganz unserer schwimmenden Basis perfekt zusammenfasst.
Heimkommen auf die Luna: Bernsteinglanz und neue Pläne
Wieder an Bord der AIDAluna fühlte es sich sofort wie Heimkommen an. Ein letzter prüfender Blick auf die strahlend weiße Bordwand und das ikonische AIDA-Auge, das uns beim Boarding fast schon zuzublinzeln schien, und wir waren zurück in unserem schwimmenden Hauptquartier. Das Ziel war klar: Das Hydrierungsprotokoll musste nach dem sonnigen Marsch durch Santa Cruz umgehend gestartet werden. An der Bar wurden wir mit einem strahlenden Lächeln empfangen – die herzliche Atmosphäre an Bord ist nach den Stunden in der Stadt der perfekte Empfang. Und dann stand es vor uns: Das Schöfferhofer Weizen. Es leuchtete bernsteinfarben im harten Gegenlicht der kanarischen Sonne, die Schaumkrone war perfekt. Der Anblick dieses glänzenden Glases vor dem tiefblauen Horizont des Atlantiks war pure Ästhetik. Es rief förmlich nach uns und war die ultimative Belohnung für die etwa 8 Kilometer, die wir am Vormittag zu Fuß zurückgelegt hatten. Während wir den ersten Schluck genossen, warfen wir einen Blick auf die aktuelle Mittagskarte. Doch während das kühle Bier die Kehle hinunterrann und wir die meditative Stille der noch leeren Restaurants genossen, geschah etwas Unerwartetes. Anstatt die Füße endgültig hochzulegen, keimte eine Idee auf. Wir schauten uns an, schauten auf die Stadt, die im Sonnenlicht funkelte, und wussten: Die 8 Kilometer am Vormittag waren nur das Aufwärmprogramm. Mitten beim kühlen Bierchen reifte der Entschluss: Wir starten noch eine kleine Nachmittagsrunde! Santa Cruz war einfach zu verlockend, um den Rest des Tages nur an Bord zu verbringen.
Gefühl: Pures Urlaubsglück mit einer Brise Abenteuerlust. Das Weizen im Bernsteinglanz löscht den Durst, entfacht aber gleichzeitig das Feuer für die zweite Runde. Santa Cruz war am Morgen ein Erfolg – aber wir sind noch nicht fertig mit dieser Stadt. Die Luna ist unser Ruhepol für den Moment, aber der Asphalt ruft uns noch einmal zurück.
Die Nachmittagsrunde: Zweites Gesicht im neuen Licht
Man sagt, ein guter Fotograf besucht einen Ort zweimal. Wir nahmen uns das zu Herzen und verließen die Luna ein zweites Mal für eine gezielte Nachmittagsrunde. Die tiefstehende Sonne veränderte die Szenerie von Santa Cruz komplett: Wo am Vormittag noch flaches Licht herrschte, sorgten nun lange Schatten und warme Kontraste für eine völlig neue Plastizität der Motive.
Unser Weg führte uns erneut zur Plaza de España. Die silberne Baum-Skulptur aus Buchstaben, die wir am Morgen schon bewundert hatten, glänzte nun metallisch vor dem tiefblauen Himmel. Das Spiel von Licht und Reflexion auf den polierten Oberflächen gab dem Kunstwerk eine fast organische Dynamik. Besonders faszinierend war die Rückkehr zum „Monumento a los Caídos“. Das Streiflicht des Nachmittags betonte nun jedes Detail der steinernen Reliefs. Die muskulösen Figuren der Soldaten und Seeleute sowie die massiven Konturen der Kanone wirkten durch den verstärkten Schattenwurf viel dreidimensionaler und erzählender als unter der Mittagssonne. Es ist dieser Moment, in dem Architektur anfängt zu „sprechen“. Wir ließen den Blick über die gesamte Anlage schweifen. Die Kombination aus den weißen Monumenten, den hoch aufragenden Palmen und dem nun noch intensiveren Blau des Himmels bildete den perfekten Rahmen für unsere Dokumentation. Anschließend tauchten wir tiefer in die städtischen Strukturen ein. Die Geschäftsstraßen, vorbei an Läden wie „Tenerife Perla“ oder dem ehrwürdigen „Real Casino“, füllten sich mit dem entspannten Leben des späten Samstags. Wir fingen Straßenszenen ein, in denen die Menschen nun die Schattenseiten der Gebäude suchten, während die Fassaden im oberen Bereich golden leuchteten. Besonders stimmungsvoll wirkten die von Bäumen gesäumten Alleen. Über den Gehwegen spannten sich Lichterketten zwischen den Zweigen, die darauf warteten, die Stadt am Abend in ein Lichtermeer zu verwandeln. Das weiche Licht, das durch das Blätterdach fiel, verlieh der Stadt eine fast mediterrane Eleganz. Auch die modernen Kontraste kamen nicht zu kurz. Ein Blick in eine schmale Gasse offenbarte den Kirchturm der Iglesia de la Concepción, der fast schon eingekesselt von moderner Architektur in den Himmel ragte – ein Sinnbild für den Wandel von Santa Cruz. Selbst einfache Straßenzüge mit ihren klaren Linien und Zebrastreifen entwickelten in diesem Licht eine grafische Tiefe.
Gefühl: Die Entscheidung für die zweite Runde war goldrichtig. Die Kamera hat den Wandel der Stimmung perfekt eingefangen. Mit schweren Beinen, aber einer Speicherkarte voller „Licht-Magie“ machen wir uns nun endgültig auf den Rückweg zum Schiff. Santa Cruz, du hast uns heute alles gegeben!
Innehalten im historischen Kern: San Francisco de Asís
Unsere Nachmittagsrunde führte uns schließlich zu einem Ort der Stille inmitten des urbanen Trubels: der Iglesia de San Francisco de Asís. Diese Kirche, ein ehemaliges Franziskanerkloster, ist ein Juwel des kanarischen Barocks. Die strahlend weiße Fassade mit den dunklen vulkanischen Steineinfassungen bildete einen perfekten Kontrast zum strahlend blauen Himmel. Besonders beeindruckend ist das monumentale Hauptportal. Die schweren, kunstvoll geschnitzten Holztüren wirken wie Wächter der Zeit. Wir hielten einen Moment inne, um die Texturen des alten Holzes und die warmen Reflexionen der Sonne auf den Stufen festzuhalten. Es ist faszinierend, wie diese historische Architektur Ruhe ausstrahlt, während nur wenige Meter weiter das moderne Leben pulsiert. Auf dem Vorplatz der Kirche stießen wir auf bedeutende Denkmäler. Direkt vor dem Eingang steht die Bronzebüste von Dr. Santiago Beyro Martín, einem geschätzten Priester dieser Gemeinde, dessen Blick fest über den Platz wacht. Diese bronzenen Zeugen der Geschichte verleihen dem Ort eine ganz besondere, würdevolle Atmosphäre.
Kurs Nord: Urbane Texturen und verborgene Winkel
Nach dem kurzen Moment der Ruhe an der Kirche zog es uns weiter nach Norden. Die Gassen von Santa Cruz wurden hier noch schmaler und charaktervoller. Ein echtes Highlight auf diesem Weg war die „Wine & Cheese Bar – Donde Chema“. Die leuchtend orangefarbene Fassade und die tiefschwarzen Türen, die über und über mit handgeschriebenen Weisheiten und Menüangeboten in Kreide verziert waren, zogen uns sofort an. Je weiter wir uns nach Norden vorarbeiteten, desto häufiger öffnete sich der Blick am Ende der Häuserschluchten auf die beeindruckende Bergwelt Teneriffas. In den steilen Gassen wirken die schroffen Gipfel im Hintergrund wie eine natürliche Begrenzung der urbanen Ausdehnung.
Urbane Kunst & Palmenalleen: Die Entdeckung des Nordens
Unser Weg führte uns immer weiter in Richtung Norden, weg von den touristischen Pfaden hin zu den weiten Alleen und modernen Plätzen der Stadt. Hier zeigt sich Santa Cruz als eine sehr gepflegte, fast schon mondäne Metropole. Breite Straßen mit modernen Radwegen und hoch aufragenden Palmen prägen das Bild. Besonders fasziniert hat uns die Präsenz moderner Kunst im öffentlichen Raum. Auf einem hellen Platz stießen wir auf eine monumentale Skulpturengruppe aus rostigem Stahl. Die hohen, pfeilerartigen Strukturen mit ihren organisch anmutenden Aufsätzen wirkten in der Nachmittagssonne extrem kraftvoll. Nur wenige Schritte weiter entdeckten wir ein weiteres Kunstwerk, diesmal aus hellem Holz. Die massiven Balken waren so ineinander verkeilt, dass sie eine begehbare, geometrische Struktur bildeten. Solche Installationen verleihen der Stadt eine ganz besondere, intellektuelle Tiefe. Während wir durch die Straßen wie die „Calle San Lucas“ schlenderten, boten sich uns immer wieder tiefe Perspektiven durch die Häuserschluchten. In einer dieser Gassen schob sich plötzlich wieder der dunkle Glockenturm der Iglesia de la Concepción ins Bild – ein wunderbarer visueller Anker, der uns daran erinnerte, wie nah hier Tradition und Moderne beieinanderliegen.
Gefühl: Die Beine werden zwar müder, aber die Neugier treibt uns weiter. Dieser Teil der Stadt strahlt eine angenehme Ruhe aus – perfekt für die späten Nachmittagsstunden. Wir genießen das Spiel der Schatten und die Tatsache, dass wir Santa Cruz heute wirklich in seiner ganzen Breite „erlaufen“ haben. Der kühle Gerstensaft an Bord rückt nun aber doch langsam wieder in das Zentrum unserer Gedanken.
Oase der Stille: Botanik im Parque García Sanabria
Unser Hauptziel am Nachmittag war der Parque García Sanabria, die grüne Lunge von Santa Cruz. Schon am Eingang empfing uns die berühmte Reloj de Flores – eine mechanische Meisterleistung, deren Zifferblatt komplett aus tausenden blühenden Pflanzen besteht. Ein Geschenk Dänemarks, das seit 1958 den Rhythmus des Parks vorgibt und uns mit seiner Farbenpracht sofort in seinen Bann zog. Sobald man den Park betritt, schluckt die üppige Vegetation den Lärm der Stadt. Die Luft wird schlagartig kühler und duftet nach feuchter Erde und exotischen Blüten. Wir fühlten uns wie in einem botanischen Garten, der die Wildheit eines Dschungels mit der Ordnung einer gepflegten Anlage verbindet. Die botanische Vielfalt ist schier überwältigend: Überall ragen majestätische Palmen in den Himmel, während uralte Baumriesen mit gewaltigen, verschlungenen Luftwurzeln wie mystische Wächter am Wegesrand stehen.
Besonders faszinierend war das Spiel des Lichts. Die riesigen, fächerartigen Baumkronen filterten die warme Nachmittagssonne und warfen tanzende Lichtreflexe auf die verschlungenen Pfade. Wir wanderten durch fast tunnelartige Abschnitte unter dichtem Bambus, dessen Halme im Wind leise gegeneinander klapperten. An anderen Stellen bildeten leuchtend pinkfarbene Bougainvillea natürliche, blühende Baldachine, die sich über die alten Kopfsteinpflasterwege spannten. Inmitten dieser grünen Pracht stießen wir immer wieder auf versteckte Nischen mit moosbewachsenen Steinbänken, die unter gewaltigen Farnen und exotischen Blättern fast verschwanden. Es ist ein Ort der absoluten Entschleunigung, an dem man hinter jeder Biegung eine neue Pflanzengattung oder eine besonders filigrane Blüte entdecken kann. Diese „Oase der Stille“ bot uns die perfekte Kulisse, um den hektischen Rhythmus der Reise für einen Moment komplett zu vergessen.
Steinerne Zeugen: Denkmäler und Skulpturen im Park
Neben seiner botanischen Pracht ist der Parque García Sanabria auch eine beeindruckende Freiluft-Galerie. Das visuelle und architektonische Zentrum bildet das monumentale Monumento a García Sanabria. Ein gewaltiger, geometrischer Obelisk ragt hier in das Azurblau des Himmels empor, umgeben von einem kreisförmigen Wasserbecken. Besonders faszinierend ist die Symbolik dieses Ortes. Am Fuße des Denkmals thront die weiße Steinstatue der „Fecundidad“ (Fruchtbarkeit), die wie eine stille Wächterin über das glitzernde Wasserspiel wacht. Im warmen Licht des späten Nachmittags boten die aufspringenden Fontänen und die harten Schatten der Architektur dramatische Kontraste für unsere Kameras. Über den gesamten Park verteilt stießen wir zudem auf zahlreiche weitere Skulpturen der „Exposición Internacional de Escultura en la Calle“. Jedes dieser Kunstwerke tritt in einen ständigen Dialog mit der Natur und macht den Spaziergang zu einer Entdeckungsreise durch die Kunstgeschichte der Moderne. Auf einer der alten Steinbänke sitzend, umgeben von Geschichte und Kunst, ließen wir die Seele baumeln. Ein wahrlich traumhafter Ort der Inspiration.
Gefühl des Tages: Erschöpft, aber glücklich. Santa Cruz hat uns heute alles gegeben – von moderner Architektur über barocke Stille bis hin zur tropischen Pracht des Parks. Jetzt freuen wir uns auf den Abend an Bord unserer Luna.
Urbanes Finale: Kontraste auf dem Rückweg
Mit dem Verlassen des Parks änderte sich die Szenerie erneut. Santa Cruz zeigte uns auf dem Weg zurück zur Küste seine ganze urbane Bandbreite. Den Auftakt machte ein herrlicher Fotospot: Mitten in einem farbenprächtigen Blumenbeet entdeckten wir die Bronzeskulptur eines springenden Fisches (Pescado), die wie ein Wächter vor einem mächtigen, uralten Drachenbaum (Drago) thronte. Es ist dieses Zusammenspiel aus kanarischer Urgewalt und künstlerischer Verspieltheit, das uns immer wieder fasziniert. Wir tauchten ein in die belebten Fußgängerzonen der Oberstadt. Hier mischte sich das nostalgische Flair des eleganten Musikpavillons (Quiosco), dessen filigrane Eisenstruktur im Schatten riesiger Lorbeerbäume fast schon wie ein Relikt aus einer anderen Zeit wirkte, mit dem modernen Puls der Hauptstadt. Die Gassen wurden lebendiger, die Cafés füllten sich, und unter den weißen Sonnenschirmen genossen die Menschen ihre „Cañas“ im goldenen Licht des späten Samstags. Besonders beeindruckend war der Marsch durch die architektonischen Schluchten. In der Calle San Lucas und den angrenzenden Straßen boten sich uns grafische Meisterwerke: Das harte Licht schnitt tiefe Schatten in die Fassaden, die in kräftigem Gelb, Orange und Weiß erstrahlten. Der Blick steil nach oben offenbarte kunstvolle Balkone und prächtige Gesimse, die von der wohlhabenden Geschichte der Stadt zeugen. Mittendrin immer wieder das moderne Leben – grüne ONCE-Lottokioske, farbenfrohe Murals und die markante Beschilderung von Bars wie dem „Snuupy“. Ein krasser Kontrast erwartete uns auf der mondänen Shopping-Meile. Hier säumen die glänzenden Schaufenster von Luxusmarken wie Valentino, Dior und Dolce & Gabbana die hellen, perfekt gepflasterten Wege. Es ist die Welt des schönen Scheins, die wir im Vorbeigehen dokumentierten. Doch nur wenige Meter weiter hielten wir inne für einen Moment echter Street-Photography: Ein älterer Herr ruhte im Schatten einer Gebäudewand, unbeeindruckt vom Trubel der Konsumwelt – ein stiller, ungeschminkter Moment des Alltags, der dem glatten Bild der Luxusmeile eine menschliche Tiefe verlieh. Schließlich öffnete sich der Blick am Ende einer weiten Allee. Dort, wo die hohen Gebäude der Stadt in Richtung Hafen abfallen, sahen wir sie endlich wieder: Unsere AIDAluna. Sie lag wie ein vertrauter Anker am Ende der Straßenschlucht, die weiße Bordwand strahlte im sanften Nachmittagslicht. Mit brennenden Füßen, aber einer prall gefüllten Speicherkarte voller „Licht-Magie“ und menschlicher Geschichten, legten wir die letzten Meter zur Pier zurück.
Santa Cruz: Ein emotionales Mosaik – Von Sturm zu Tropen
Blicken wir zurück auf diesen Tag, gleicht er einem emotionalen Mosaik, dessen Steine unterschiedlicher nicht sein könnten. Er begann mit einer fast greifbaren Spannung: Ein dunkles, bedrohliches Blau am Horizont, peitschender Wind und die Ungewissheit, ob der Hafen von Santa Cruz uns überhaupt einlassen würde. Dieses Drama des Morgens, diese rohe Gewalt der Natur, bildete den kraftvollen Auftakt. Doch dann die Erlösung – das Wetter-Wunder. Wie ein Vorhang, der sich zur Premiere öffnet, rissen die Wolken auf und gaben die Bühne frei für eine Stadt, die uns mit einer Wärme und Helligkeit empfing, die wir nach der Sturmnacht kaum für möglich gehalten hätten. Von der surrealen Perfektion der Luna-Spiegelung an der Pier bis zum gleißenden Weiß des Auditorios war jeder Moment ein Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Unsere Gefühle wanderten mit uns: Die Neugier in den kühlen Gängen des Fischmarktes, die tiefe Entspannung beim ersten bernsteinfarbenen Schluck Bier an Deck und schließlich die pure Faszination in der tropischen „Oase der Stille“ des Parque García Sanabria. Dort, zwischen Luftwurzeln und Bambus, fanden wir einen Frieden, der die Hektik der Welt für einen Moment komplett verstummen ließ. Der Abschied von der Stadt führte uns schließlich zur Marina. Das letzte Bild an Land: Segelboote, die sanft im ruhigen Hafenbecken schaukeln, ihre Masten wie dünne Nadeln gegen das unendliche Blau des Himmels gestreckt. Ein Sinnbild für die Reise, für das Ankommen und das ständige Weiterziehen. Wir lassen Santa Cruz hinter uns, aber wir nehmen die Wärme, die Farben und diese unglaubliche Energie mit an Bord.
Kurz bevor wir endgültig die Pier erreichten, gab es noch einen praktischen Boxenstopp direkt in der großen Kaimauer. In den dortigen Duty-Free-Shops konnten wir den Tag mit ein paar echten Schnäppchen krönen. Die Preise für Zigaretten waren eine Ansage – nicht mal die Hälfte von dem, was man in Deutschland zahlt. Doch das eigentliche Highlight waren die „coolen Socken“: Mit knallig Aufdrucken von Bananenstauden und Hanfpflanzen waren sie das perfekte, etwas schräge Souvenir, das uns immer an diesen vielseitigen Tag erinnern wird.
Gefühl des Tages: Erschöpft, aber glücklich. Santa Cruz hat uns heute nicht nur seine Architektur gezeigt, sondern auch sein Herz – von der tropischen Stille des Parks bis zum pulsierenden, gegensätzlichen Leben in seinen Gassen. Jetzt freuen wir uns nur noch auf ein kühlen Gerstensaft und den Moment, wenn wir die Beine an der Reling bei ein paar weiteren Gerstensäfte endlich hochlegen können.
Das letzte Auslaufen: Abschied mit allen Sinnen
Als wir schließlich wieder an Deck der AIDAluna standen, waren die Beine schwer, aber der Kopf war hellwach. Die Uhr zeigte unglaubliche 23.000 Schritte – ein persönlicher Rekord für diesen Urlaub. Wir trafen eine bewusste Entscheidung: Kameras weg, Augen auf. Wir wollten diesen letzten Abschied von den Kanaren nicht durch einen Sucher, sondern mit dem Herzen erleben. Das tiefe, markdurchdringende Vibrieren des Typhons signalisierte den Aufbruch. Drei lange Stöße, deren Bass wir bis in die Fußsohlen spürten. Während die ersten Klänge der Auslaufmelodie über das Pooldeck wehten, lösten sich die schweren Trossen. Langsam, fast unmerklich, schob sich die Luna von der Kaimauer weg. Santa Cruz begann zu schrumpfen. Die Lichter der Stadt flackerten im Abendrot auf, und das Auditorio glänzte ein letztes Mal wie eine weiße Perle am Ufer, bevor es langsam im Dunst der Dämmerung verschwand.
Wir lehnten uns an die Reling und blickten zurück auf die schroffen Bergflanken Teneriffas, die im goldenen Licht der untergehenden Sonne zu glühen schienen. Es war ein Moment purer Freiheit. Der Fahrtwind kühlte unsere Gesichter, während das Schiff Fahrt aufnahm und die Heckwelle eine endlose weiße Spur in den dunkler werdenden Atlantik zeichnete. Kurs: Rückkehr nach Gran Canaria. Unser letzter Hafen rief.
Almhütten-Zauber: Ein würdiger Abschluss
Den krönenden Abschluss dieses gewaltigen Tages zelebrierten wir in der Almhütte. Es fühlte sich richtig an, diesen „Härtetest im Sektor Santa Cruz“ in rustikaler Gemütlichkeit ausklingen zu lassen. Bei einer ordentlichen Haxe, frischem Brot und dem ein oder anderen kühlen Bier ließen wir die Ereignisse Revue passieren. Das Lachen war laut, die Stimmung gelöst. Die Müdigkeit in den Knochen war die schönste Form der Bestätigung für einen Tag, den wir bis zur letzten Sekunde ausgekostet hatten.
(Handybilder)
Gefühl des Tages:
Erschöpft, gesättigt und tiefzufrieden. Dieser Tag in Santa Cruz war das perfekte Finale einer Reise,
die uns vom Sturm wie in den Tropen und schließlich zu einem inneren Frieden geführt hat, den man nur auf dem Meer findet.
Erschöpft, gesättigt und tiefzufrieden. Dieser Tag in Santa Cruz war das perfekte Finale einer Reise,
die uns vom Sturm wie in den Tropen und schließlich zu einem inneren Frieden geführt hat, den man nur auf dem Meer findet.
Sonntag, der 23.03.2026
Tag 8: Rückkehr nach Gran Canaria: Wenn sich der Kreis schließt
Der letzte Morgen unserer Reise begann so friedlich, wie man es sich nur wünschen kann. Dass wir das Anlegen in Las Palmas um 02:00 Uhr nachts nach unserem 23.000-Schritte-Marathon auf Teneriffa komplett „verpennt“ hatten, war im Nachhinein eigentlich das schönste Kompliment an den gestrigen Tag. Unser Körper holte sich einfach die verdiente Ruhe, während die AIDAluna uns sicher zurück in den Heimathafen brachte. Nach einem letzten, gemütlichen Frühstück an Bord, bei dem wir die Erlebnisse der Woche noch einmal Revue passieren ließen, zog es uns ein letztes Mal hoch an Deck. Las Palmas empfing uns mit Kaiserwetter – der Himmel war so blau, wie wir ihn am ersten Tag herbeigesehnt hatten.
Vom Pooldeck aus genossen wir den Rundblick über den Hafen und die Stadt. Die Kamera glühte noch ein letztes Mal: Wir hielten die Silhouette der Stadt, die im Hafen liegenden Yachten und die markanten Kräne fest, die wie stumme Wächter über dem geschäftigen Treiben standen. Besonders faszinierend war das Spiel des Sonnenlichts auf dem Wasser und den weißen Decks der Luna. Es war ein Moment des Innehaltens – ein tiefes Durchatmen, bevor der Alltag uns wieder einholt. Diese letzten Aufnahmen sind mehr als nur Bilder; sie sind das visuelle Ausrufezeichen hinter einer Reise, die uns alles geboten hat: Von der stürmischen Dramatik zu Beginn bis hin zur tropischen Stille und diesem lichtdurchfluteten Finale. Wir blicken auf das Schiff, das für eine Woche unser Zuhause war, und wissen: Der Kreis hat sich geschlossen, aber die Erinnerungen nehmen wir mit nach Hause.
Manöver im Hafenbecken: Die gelben Flitzer
Während wir oben an der Reling standen und den Blick schweifen ließen, bot sich uns eine spannende Perspektive steil nach unten auf das glitzernde Wasser. Über dem tiefblauen Bug der Luna, direkt neben dem strahlend weißen Whirlpool, sahen wir plötzlich Bewegung: Eines unserer Beiboote war bereits im Wasser. Der Kontrast war fantastisch: Das leuchtende Gelb des Tenders hob sich messerscharf vom tiefen Blau des Hafenbeckens ab.
Auf Augenhöhe: Das Tender-Manöver von Deck 5
Die Perspektive von oben war zwar spektakulär, aber unsere Neugier war geweckt. Wir wollten näher ran. Also hieß es: Ab in den Aufzug und runter auf Deck 5, die Promenade. Hier, nur wenige Meter über der Wasseroberfläche, veränderte sich die Wahrnehmung des Geschehens komplett. Der „Spielzeug-Charakter“ verschwand und machte Platz für die beeindruckende Realität der maritimen Technik. An der Reling von Deck 5 stehend, fühlten wir uns fast wie ein Teil des Manövers. Das gelbe Beiboot mit der Nummer 15 – beschriftet mit „AIDAluna Genova“ – tanzte nun direkt vor unseren Augen auf den Wellen. Wir konnten das Gurgeln des Wassers hören und sehen, wie der Bug des Tenders die tiefblaue Oberfläche des Hafenbeckens durchschnitt und weiße Gischt aufwirbelte. Während wir das Spektakel beobachteten, ergab sich ein kurzer, interessanter Austausch mit dem Kapitän des Beiboots. Er erklärte uns den Grund für das geschäftige Treiben: Die Crew nutzte die Liegezeit im Hafen für eine intensive Tender-Übung. Es ist faszinierend zu sehen, dass selbst am Abreisetag, während die einen Koffer packen, hinter den Kulissen ständig an der Perfektion der Sicherheitsmanöver gearbeitet wird. Besonders faszinierend war das Zusammenspiel der Technik. Wir beobachteten, wie das Boot präzise unter die massiven Stahltrossen und Davits manövrierte. Die blanken Metallseile hingen bereits bereit, um den gelben Flitzer nach getaner Übung wieder sicher an seinen Platz am Schiffsbauch zu hieven. Es ist dieser Moment, in dem man die Dimensionen der Luna erst richtig begreift. Diese letzten Eindrücke sind das visuelle Ausrufezeichen hinter einer Reise, die uns alles geboten hat. Wir blicken auf das Schiff, das für eine Woche unser Bunker und unser Zuhause war, und wissen: Der Kreis hat sich geschlossen, aber die Erinnerungen (und die Bananen-Socken!) nehmen wir mit nach Hause.
Gefühl des Augenblicks: Tiefe Dankbarkeit. Die Sonne von Gran Canaria wärmt uns ein letztes Mal, während wir uns langsam auf den Weg zur Gangway machen. Nach der Reise ist vor der Reise.
Finale Mission: Der Rückflug in die Realität
Jede große Reise braucht einen würdigen Abschluss, und auch hier enttäuschte die Organisation nicht. Der Abschied von der AIDAluna verlief perfekt von AIDA organisiert, pünktlich und absolut reibungslos. Auf die Minute genau stand unser Transferbus bereit. Ein letzter Blick zurück auf den strahlend weißen Kussmund an der Pier, dann rollten wir durch das sonnige Las Palmas in Richtung Airport. Am Flughafen angekommen, schloss sich der Kreis endgültig. Wo vor sieben Tagen unsere Mission begann, standen wir nun wieder – mit schwerem Gepäck, aber deutlich leichterem Kopf. Der Check-in bei Discover Airlines war unkompliziert. Auf dem Rollfeld erwartete uns der Airbus A320 im markanten weiß-blauen Design.
Der letzte Weg über die Gangway führte uns nicht mehr auf ein Schiff, sondern in die Kabine des Fliegers. Als die Triebwerke aufheulten und wir über die Piste des Aeropuerto de Gran Canaria beschleunigten, bot sich uns beim Steigflug noch einmal das volle Panorama der Insel. Wir blickten hinunter auf das tiefblaue Meer und auf die karge, faszinierende Schönheit der Kanaren, die unter uns immer kleiner wurde.
Gefühl des Augenblicks: Eine tiefe, alles durchdringende Zufriedenheit. Der zermürbende Arbeitsstress der letzten Monate ist einer unerschütterlichen Gelassenheit gewichen. Wir spüren, dass wir endlich raus aus dem Alltag sind – die Erholung hat jede Faser unseres Körpers erreicht. Wir blicken aus dem Fenster auf die vorbeiziehenden Wolken und sind einfach nur glücklich. Das Abenteuer „Reißleine“ war ein voller Erfolg.
Abschlussbericht: Expedition Reißleine – Das ultimative Fazit
Die Reise ist beendet. Hinter uns liegt eine Woche voller intensiver Eindrücke auf dem Atlantik. Was als bewusste Auszeit aus dem Alltagsstress begann, entwickelte sich zu einer erfolgreichen Rückeroberung unserer eigenen Energiereserven. Die Analyse der sieben Tage an Bord der AIDAluna liefert ein eindeutiges Ergebnis: Expedition erfolgreich. Zielvorgaben übertroffen.
1. Das Schiff: Unsere schwimmende Expeditionszentrale
Die AIDAluna fungierte nicht als bloßer Urlaubsdampfer, sondern als hochmoderne, mobile Basis für unsere Entdeckungen. Sie war unser sicheres Basislager und Ruhepol zugleich.
- Die Bunker-Strategie: Die Entscheidung für die Innenkabine auf Deck 8 war ein kluger Schachzug. In der absoluten Lichtabschirmung und Stille konnten wir die Regenerationsphasen maximieren.
- Die Versorgungslage: Erstklassige Verpflegung war der Treibstoff. Ein absoluter Volltreffer war die Tapas Bar – wir sind dort gleich viermal „eingerückt“. Aber auch die krosse Haxe in der Almhütte war eine verlässliche Bank für die Regeneration.
- Die Schiffsführung: Die Crew agierte wie ein perfekt eingespieltes Team. Wir fühlten uns zu jeder Sekunde sicher und bestens aufgehoben.
2. Das Erkundungsgebiet: Ein Revier der Kontraste
Die Kanaren und Marokko waren das perfekte Testgelände für unsere Sinne.
3. Der persönliche Impact: System-Reset 100%
Das Hauptziel der „Expedition Reißleine“ war die vollständige Eliminierung des Arbeitsstresses.
- Dramatik & Durchbruch: Der stürmische Auftakt in Santa Cruz war pures Abenteuer. Das „blaue Wunder“ von Teneriffa bleibt als epischer Moment in unseren Erinnerungen.
- Terrain-Erkundung: Von den schwarzen Lavafeldern auf Lanzarote bis zum mystischen Paradiestal in Marokko – die visuelle Ausbeute ist massiv.
- Urbane Entdeckungen: In Santa Cruz tauchten wir zu Fuß tief in die Gassen ein, während uns der Sektor Agadir intensive „Drive-by“-Snapshots lokaler Märkte direkt aus dem Jeep und eine kraftvolle Wanderung durch das Paradiestal lieferte.
- Wanderleistung: 23.030 Schritte an einem Tag (Teneriffa) waren eine Demonstration wiedergewonnener Vitalität. Aber auch der Marsch durch das Paradiestal in Marokko forderte die Ausdauer.
- Abstand gewinnen: Der „Alltag“ wurde im Kielwasser der Luna versenkt. Irgendwo auf dem Weg zwischen Teneriffa und Gran Canaria haben wir die Verbindung zum Stress endgültig gekappt.
- Der Moment der Stille: Das letzte Auslaufen – ohne Technik, nur mit dem Blick auf den Horizont – war die endgültige Bestätigung der inneren Ruhe.
Das finale Urteil
Diese Expedition war die wegweisende Entscheidung des Jahres, ein echtes Abenteuer durch und durch.
Wer eine wirksame Flucht aus dem Hamsterrad plant und dabei technische Faszination mit kulinarischen Volltreffern kombinieren will,
kommt an so einer Kreuzfahrt nicht vorbei.
Status: Voll regeneriert. Note: 1 mit Sternchen. Das nächste Abenteuer ist bereits in der Planung!
Wolfi & ✨




















































